Einzelhandel II

"Business Improvement Districts" sollen Zentren attraktiver machen

01. April 2005 In Hessen wird noch über die Einführung von "Business Improvement Districts" nach amerikanischen Vorbild diskutiert - im Südosten Hamburgs ist man schon weiter. In ein paar Wochen soll in der Einkaufszone des Stadtteils Bergedorf das erste Projekt dieser Art in Deutschland starten. Mit Infotafeln an historischen Häusern, einem Leitsystem, das den Passanten zeigt, wo sie Kuchen oder Bücher bekommen, und einem Logo sollen neue Kunden angelockt werden. "Wir wollen ein stärkeres Wir-Gefühl erzeugen und unsere Straßen stärker als Einheit vermarkten", sagt Isabel Kaßner vom zuständigen Arbeitskreis. 150000 Euro sollen die Maßnahmen über drei Jahre verteilt kosten. Zahlen müssen alle Grundeigentümer der Fußgängerzone - im Schnitt 500 Euro im Jahr.

Möglich geworden ist das Projekt in Bergedorf durch ein neues Gesetz zur Sträkung von Einzelhandels- und Dienstleistungszentren, das seit Anfang 2005 in Hamburg gilt. Die Initiative selbst muß von den Grundeigentümern ausgehen. Wenn 15 Prozent einen "Business Improvement District" einrichten wollen und weniger als ein Drittel den Vorschlag ablehnt, kommt die Zone zustande. Wer nicht mitmachen will, muß trotzdem zahlen - oder Widerspruch einlegen. In Bergedorf haben Grundeigentümer dafür noch bis Mitte April Gelegenheit. "Wir rechnen aber nicht mehr mit größeren Schwierigkeiten und hoffen, daß wir Mitte Juni endlich loslegen können", sagt Kaßner. Auch die Stadt sieht Klagen gelassen entgegen. "Das ist ein sehr gut durchdachtes Gesetz", sagt Claudia Eggert, Sprecherin der Hamburger Stadtentwicklungsbehörde.

Auch die Edeleinkaufsmeile Neuer Wall soll so aufgewertet werden. Dort sind sogar zwei Millionen Euro vorgesehen. Bei der Hamburger Handelskammer gehen zudem Anfragen aus vielen anderen Stadtteilen ein. Im Prinzip begrüßt die Handelskammer das neue Gesetz, sieht aber Verbesserungsbedarf: "Wir wünschen uns eine Lenkungsgruppe, in der alle betroffenen Personengruppen ein Mitspracherecht haben", heißt es.

Auch Martin Wickel von der Technischen Universität Hamburg-Harburg hat Verbesserungsideen. Das Modell sei problematisch, weil es vor allem Grundstückseigentümer belaste, so der Stadtplanungsprofessor. "Im Endeffekt profitieren aber vor allem die Geschäftsleute von den Maßnahmen." Wickels Vorschlag: Die Hauptprofiteure sollen auch Hauptzahler sein.

Fundamentale Kritik am Gesetz ist in der Hansestadt kaum zu hören. Selbst die Liberalen stehen der Zwangsabgabe positiv gegenüber: "Das Gesetz ist eine sinnvolle Sache, weil vor allem die Kaufleute selbst davon profitieren", sagt der Hamburger FDP-Wirtschaftsexperte Burkhardt Müller-Sönksen. Allerdings sollten sich alle Maßnahmen in engen Grenzen bewegen. Für die Vorbehalte der hessischen FDP hat der Hanseat Verständnis, schränkt aber ein: "Es ist angemessen, die Profiteure an den Kosten zu beteiligen, auch wenn das Eigentum ein liberales Recht bleibt und man nicht mit Mehrheit enteignet werden kann."

Das Konzept der "Business Improvement Districts" stammt aus Nordamerika. Bis zu 15000 Zonen soll es derzeit in den Vereinigten Staaten geben, in New York seien es allein 44, heißt es in einem Informationspapier der IHK Pfalz. In New York zahlen Inhaber kleiner Geschäfte 100 Dollar im Monat. Wie in Hamburg sind auch in Nordamerika die meisten Zonen auf fünf Jahre befristet. (cbur.)

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