Karikaturenstreit

Papst hofft nach Priestermord auf Dialog der Religionen

Benedikt vermied es, von einem “Martyrium“ zu sprechen

Benedikt vermied es, von einem "Martyrium" zu sprechen

08. Februar 2006 Papst Benedikt XVI. hofft nach der Tötung eines katholischen Priesters in der Türkei auf einen verstärkten Dialog zwischen Christen und Muslimen. Mit behutsamen Worten hat er den am Sonntag in der Türkei ermordeten italienischen Priester Andrea Santoro gewürdigt.

Am Ende der traditionellen Generalaudienz am Mittwoch vor Tausenden von Gläubigen erinnerte der Papst an „diesen schweigsamen und mutigen Diener des Evangeliums“, der in der Türkei sein Wirken dem „Brückenbau“ zwischen Christen und Muslimen gewidmet hatte. Benedikt XVI. vermied damit, von einem „Martyrium“, dem Glaubenszeugnis eines Christen durch die Bluttat eines Muslims zu sprechen.

Mord wegen des Karikaturenstreits?

Der Mord an dem 60 Jahre alten römischen Priester durch einen 16 Jahre alten Türken hatte die italienische Öffentlichkeit bestürzt, ohne jedoch zu feindseligen Reaktionen gegenüber Muslimen in Italien oder zu Protestkundgebungen zu führen. Auch daß der Mord laut Medienberichten unter Berufung auf die Schmähungen des Propheten Mohammed durch Karikaturen in westlichen Zeitungen geschah, wurde in der italienischen Öffentlichkeit ohne Erregung vermerkt.

Benedikt äußerte den Wunsch, „das Lebensopfer des Priesters möge zur Sache des Dialogs unter den Religionen und des Friedens unter den Völkern beitragen. An diesem Donnerstag wird Don Andrea Santoro in seiner römischen Pfarrei aufgebahrt, am Freitag wird der päpstliche Generalvikar in Anwesenheit der höchsten italienischen Politiker die Totenmesse halten. Die Ministerpräsidenten Italiens und der Türkei, Berlusconi und Erdogan, beschworen den Dialog zwischen den Religionen.

Italienischer Minister fordert zu neuem Kreuzzug auf

Der italienische Reformminister Roberto Calderoli von der rechtspopulistischen Partei Liga Nord forderte den Papst dagegen zu einem neuen Kreuzzug gegen die Muslime auf und begründete das mit den Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen. Die Islamisten hätten ihre Strategie geändert: Statt „Terroristen“ verwendeten sie nun die „Massen“, die in einem „kollektiven Fanatismus“ Botschaften stürmten, sagte Calderoli der Zeitung „La Repubblica“ (Mittwochausgabe). Der Augenblick für „Gegenmaßnahmen“ sei gekommen: „Diese Leute kannst du nur mit Gewalt besiegen.“

Nach Ansicht des Ministers muß Bendikt XVI. eingreifen, wie es die Päpste Pius V. und Innozenz XI. im 16. und 17. Jahrhundert im Kampf gegen das Osmanische Reich und die „islamistische Gefahr“ taten. Calderoli kritisierte zugleich die Zurückhaltung der amerikanischen Regierung im Streit über die Karikaturen. Washington habe sich bisher für die „Verteidigung des Westens“ eingesetzt, verhalte sich jetzt aber „merkwürdig weich“, vielleicht weil Erdöl im Spiel sei, spekulierte Calderoli.

Der Politiker ist in Italien für seine provozierenden Äußerungen bekannt. Seine Partei verstärkt zwei Monate vor der Parlamentswahl am 9. April ihre Hetze gegen den Islam.

Text: hjf./F.A.Z./FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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