26. Juli 2008 Die Aufregung war groß in der vergangenen Woche, nachdem Apple seine aktuellen Geschäftszahlen vorgestellt hatte. Nicht so sehr, weil Apples Ausblick zurückhaltend war (das ist er meist). Sondern vor allem, weil sich die Anleger Sorgen um Apple-Chef Steve Jobs machten. Der war bei seinem letzten öffentlichen Auftritt so mager, dass sich viele Leute fragten, ob Jobs krank ist. Die Antwort: Er hat keine Pläne, Apple zu verlassen. Seine Gesundheit ist eine Privatangelegenheit.“
Dass Letzteres nicht stimmt, zeigte die Reaktion der Börse: Am nächsten Morgen war Apple zehn Prozent weniger wert. Mit gutem Grund. Denn Steve Jobs ist nicht einfach Apple-Chef, Steve Jobs ist Apple. Und wenn Jobs krank ist, ist Apple angeschlagen.
Die Firma bringt kein Produkt auf den Markt, bevor ihr Chef es nicht bis ins letzte Detail geprüft hat. Manches Gerät hat der jähzornige Chef Minuten vor der geplanten Präsentation an die Entwickler zurückgegeben und neu entwickeln lassen. Präsentieren darf ohnehin kein anderer außer ihm.
Jobs hat sich selbst zur Marke gemacht
Jobs hat sich selbst zur Marke gemacht: Der ehemalige Hippie, der nun immer in verwaschener Jeans und schwarzem Pulli auf der Bühne steht und seine frenetisch bejubelten Produktpräsentationen immer mit den Worten One more thing“ einleitet – das kennt jeder, und das ist für die Marke Apple wichtig. Kaum ein anderes Unternehmen ist so auf seinen Chef ausgerichtet wie der Elektronikkonzern.
Damit hat Jobs Erfolg. Die Firma lag am Boden, als er vor rund zehn Jahren zu Apple zurückkehrte. Kaum einer wollte noch die Computer kaufen. Mit seinem Führungsstil hat Jobs es geschafft, aus Apple eine Lifestyle-Marke zu machen. Der Aktienkurs hat sich seitdem auf rund das Dreißigfache gesteigert.
Die Anleger haben dabei nur in zweiter Linie in die Organisationsstruktur eines Elektrounternehmens in Kalifornien investiert oder in das Logo mit dem angebissenen Apfel. Sondern in den Kopf und in die Persönlichkeit des Steve Jobs, und das ist die größte Anerkennung, die ein Manager bekommen kann.
Aber wenn Jobs Apple so egozentrisch führt, dann muss er auch damit leben, dass die Aktionäre über seine Gesundheit Bescheid wissen wollen. Immerhin leitet er ihr Unternehmen, er arbeitet mit dem Geld, das sie ihm anvertraut haben.
Jobs hat das in der Vergangenheit ignoriert. 2004 hatte er einen Tumor. Es steht völlig außer Frage, dass diese Zeit hart für ihn war. Er konnte sich damals nur kleine Chancen ausrechnen, den Tumor überhaupt zu überleben. Die Aktionäre erfuhren davon erst, als die Gefahr gebannt war.
Nichts aus der Vergangenheit gelernt
Natürlich sind in einer solchen Situation Geld und Börsenkurse das Letzte, an was ein kranker Mensch denkt. Seinen Zustand zu verschweigen hilft seiner Gesundheit aber auch nicht. Schon damals hätte er seinen Mitarbeitern erlauben sollen, die Aktionäre über die Krankheit zu informieren.
Schlimmer noch: Jobs hat daraus nicht gelernt. Auch heute weiß keiner, was passiert, wenn Steve Jobs eines Tages nicht mehr arbeiten kann. Es gibt keinen Kronprinzen, und so kann niemand einschätzen, ob der Nachfolger Apple so erfolgreich führen kann wie Steve Jobs.
Der hat sich übrigens inzwischen genötigt gesehen, doch Stellung zu beziehen: Er sei gesund, erzählte er bei einem Abendessen, und ein Tischgenosse trug die Nachricht der New York Times“ an. Hätte der Tischgenosse das nicht getan, er hätte einen wesentlichen Vorteil im Handel mit Apple-Aktien gehabt. Schon allein deshalb sollte Steve Jobs in Zukunft sicher stellen, dass jeder die gleichen Informationen hat – und seine Gesundheit öffentlich machen. Dass die so wichtig geworden ist, dafür hat er selbst gesorgt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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