Confed-Cup-Finale

Lucio köpft Brasilien zum Titel

Von Roland Zorn, Johannesburg

Spielführer und Siegtorschütze: der Münchner Lucio

Spielführer und Siegtorschütze: der Münchner Lucio

29. Juni 2009 

Der Confederations Cup 2009 ist mit einem großen Finale zu Ende gegangen. Am Sonntagabend verteidigte Brasilien mit einem 3:2-Erfolg über das Team der Vereinigten Staaten seinen Titel und ist nun auch in dieser Konkurrenz nach den Siegen 1997 und 2005 Rekordhalter. Die Südamerikaner holten im Johannesburger Ellis-Park-Stadion einen 0:2-Rückstand durch die Tore von Dempsey (10. Minute) und Donovan (27.) auf und schafften in diesem verrückten Spiel noch die Wende durch zwei Treffer von Luis Fabiano (46. und 74.) sowie das Tor zum bejubelten Sieg durch den Münchner Bayern-Profi und Kapitän der Selecao, Lucio (84.). 52.000 Zuschauer erlebten eine Werbung für die Weltmeisterschaft des kommenden Jahres in Südafrika und feierten schließlich einen überglücklichen und verdienten Sieger.

Ein letzter Besuch im Ellis Park, wo Südafrika 1995 Rugby-Weltmeister geworden war, Präsident Nelson Mandela im grünen Springbok-Trikot den Pokal übergeben und damit ein Zeichen der Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß nach den quälenden Jahren der Apartheid gesetzt hatte. Vierzehn Jahre später ging es zwar noch nicht um den Weltpokal, der 2010 im neuen Johannesburger Gigantenstadion Soccer City überreicht werden wird, doch das am Sonntag zu Ende gegangene Turnier um den Confederations Cup gab schon einen Vorgeschmack auf die erste WM in Afrika.

An eine zweite Sensation wollten nur die wenigsten glauben

Das amerikanische Endspiel zwischen den Riesen des Nordens und des Südens hatte von vornherein einen großen Favoriten: den fünfmaligen Weltmeister Brasilien. Das Team der Vereinigten Staaten hat zwar in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht und im Confed-Cup-Halbfinale sogar Europameister Spanien besiegen können, doch an eine zweite Sensation der Wundermänner von Trainer Bob Bradley wollten nur die wenigsten glauben. Aus Tim Howard, beim 2:0 über die Iberer ein überragender Torwart, sprach aber das frisch gewachsene Selbstvertrauen der Amerikaner: „Wir haben gegen Spanien gespürt, dass alles möglich ist“ (siehe: Confed Cup: Entwicklungsland stoppt Weltrekordteam).

Dem hielt Carlos Dunga, der Coach der auf dem Weg ins Finale viermal siegreichen Brasilianer nur soviel entgegen: „Wir haben die beste Mannschaft der Welt. Aber die Vereinigten Staaten haben bewiesen, dass sie Qualität, Talent und noch mehr besitzen.“ Allerdings noch nicht im Gruppenspiel gegen die Brasilianer, in dem sie lange gehemmt wirkten und schließlich 0:3 verloren (siehe: Confederations Cup: Brasilien nach 3:0-Erfolg praktisch im Halbfinale).

Das zweite „Wunder auf Gras“ schien Gestalt anzunehmen

Während Bradley schweren Herzens auf seinen gesperrten Filius Michael, der in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach ganze Arbeit verrichtet, verzichten musste, konnte Dunga aus dem Vollen schöpfen. Doch was nutzt das, wenn die eigene Mannschaft nur halbe Sachen zustande bringt? Was immer die Südamerikaner vor der Pause gegen die in zwei Viererreihen tief gestaffelten Amerikaner versuchten, scheiterte spätestens am wieder einmal exzellenten Howard.

Da waren Bradleys Boys aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Clever auf Löcher in der aufgerückten brasilianischen Abwehr spekulierend, erwiesen sie sich als ausgebuffte Konterspezialisten. Beim 1:0 durch Dempsey brauchten sie noch nicht einmal zur Gegenattacke zu blasen. Der rechte Mittelfeldspieler bekam eine Flanke von Verteidiger Spector auf den linken Fuß serviert und leitete den Ball weiter an Keeper Julio Cesar vorbei zur Führung für den Außenseiter. Das 2:0 war ein kleines Meisterstück des blendenden Spielmachers Landon Donovan, der einen Pass von Davies aufnahm, Ramires aussteigen ließ und dann mit links den Ball abgezockt ins Netz beförderte. Brasilien 0, USA 2, was war denn da los? Das zweite „Wunder auf Gras“ schien jedenfalls Gestalt anzunehmen.

Dem Druck der Brasilianer hielten sie dann doch nicht stand

Dann aber besannen sich die Brasilianer auf ihren Kombinationsfußball und kamen schon in der ersten Minute der zweiten Hälfte durch Luis Fabianos vierten Turniertreffer auf 1:2 heran. Der Mittelstürmer des FC Sevilla drehte sich nach Maicons Flanke um DeMerit herum und schoss den Ball flach ins rechte Eck. Das war das Signal zu einer brasilianischen Angriffswelle, die bei genauerem Hinsehen des schwedischen Schiedsrichters Hansson in der 60. Minute mit dem Ausgleich hätte belohnt werden müssen. Howard konnte Kakás Kopfball erst hinter der Torlinie gegen die Latte lenken. Glück für die Amerikaner, die aber weiter tapfer dagegenhielten und sporadisch zu Chancen kamen.

Doch dem nun immensen Druck der Brasilianer hielten sie dann doch nicht stand. Der beste Torschütze des Turniers fügte seinem ersten Tor noch ein zweites hinzu - diesmal per Kopf, nachdem Kaká vorbereitet, Robinho gegen die Latte geschossen und Luis Fabiano vollendet hatte. Und dann kam die große Wende: Kapitän Lucio legte seine ganze feurige Energie in einen Kopfstoß nach einem Eckball. Vom linken Pfosten prallte der Ball ins Netz, und ein großartiges Endspiel war entschieden. Brasilien und die Vereinigten Staaten haben Appetit auf mehr gemacht. Fortsetzung folgt. 2010 bei der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Confederations-Cup-Finale

Vereinigte Staaten - Brasilien 2:3 (2:0)
Vereinigte Staaten: Howard - Spector, Onyewu, Demerit, Bocanegra - Clark (88. Casey), Feilhaber (75. Kljestan) - Dempsey, Donovan - Davies, Altidore (75. Bornstein). - Trainer: Bradley
Brasilien: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Luisao, Andre Santos (66. Daniel Alves) - Gilberto Silva, Felipe Melo - Ramires (66. Elano), Kaka, Robinho - Luis Fabiano.
Trainer: Dunga
Schiedsrichter: Martin Hansson (Schweden)
Tore: 1:0 Dempsey (10.), 2:0 Donovan (27.), 2:1 Luis Fabiano (46.), 2:2 Luis Fabiano (74.), 2:3 Lucio (84.)
Zuschauer in Johannesburg: 52.000
Gelbe Karte: Bocanegra - Felipe Melo, Andre Santos, Lucio



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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