Down House (29)

Darwins Simpsons

Von Falko Hennig

Kleine Streitigkeiten unter Verwandten: Maggie und der Affe

Kleine Streitigkeiten unter Verwandten: Maggie und der Affe

19. März 2009 Bei Darwins bekannter Vorliebe für Karikaturen, die ihn darstellen, wäre er wohl heute einer der vielen Wissenschaftler, die Vergnügen an der amerikanischen Zeichentrickserie „Die Simpsons“ finden. Umgekehrt sind die Autoren der „Simpsons“ mit Sicherheit Darwin-Fans, auch wenn der Naturwissenschaftler in der Folge „Frische Fische mit drei Augen“ von einem Schauspieler dargestellt wird und eine eher zwielichtige Rolle spielt.

Ein dreiäugiger Fisch wird in der Episode am Kernkraftwerk geangelt und wirft Fragen über die Sicherheit dieser Technik auf. Die Inspektoren finden bei einer Kontrolle nicht weniger als 342 Verstöße gegen die Sicherheitsbestimmungen, unter anderem Risse im Kühlturm, die mit Kaugummi zugeklebt sind, und Plutoniumstäbe, die als Briefbeschwerer dienen. Der böse Kraftwerksbesitzer Montgomery Burns beschließt, Gouverneur des Bundesstaates zu werden, um die Sicherheitsmängel seines Kraftwerks nicht beheben zu müssen.

Die Evolution passt nicht ins Sendeformat

Für seinen Wahlkampf hat Burns den dreiäugigen Fisch „Blinky“ getauft, in einem Werbespot schwimmt er im Goldfischglas. Nun kommt Darwin ins Spiel oder vielmehr ein ehrenwerter Schauspieler in dessen Rolle. Burns bittet „Darwin“, dem Publikum seine Theorie der natürlichen Auslese zu erklären. Burns behauptet, Blinkys drittes Auge sei für den Fisch vorteilhaft im Überlebenskampf, der sei sogar ein „Superfisch“ von unübertrefflich feinem Geschmack. Darwin stimmt zu: „Ich hätte nichts gegen ein drittes Auge. Sie?“

Hier werden Darwin und seine Lehre missbraucht, denn Veränderungen, die Vorteile beim Überleben bieten, können sich nach Darwin nur über viele Generationen entwickeln. Sorgfältige Wissenschaftler hätten den Fisch zuerst über längere Zeit zu beobachten, um zu klären, ob das dritte Auge dem Wassertier tatsächlich Vorteile gegenüber seinen zweiäugigen Artgenossen bringt. Aber die Lüge über den Wohlgeschmack dieses neuen Fisches bleibt Burns bei einem direkt übertragenen Essen buchstäblich im Halse stecken, als er ein Stück von Blinky vor Ekel wieder ausspucken muss.

Der amerikanische Physiker Paul Halpern hat die Wissenschaft der „Simpsons“ untersucht und kommt zu dem Schluss, dass weder ein undichtes Atomkraftwerk noch eine Atomkatastrophe so starke Mutationen hervorrufen kann. Außerdem haben sich alle bisher gefundenen dreiäugigen Fische als Fälschungen oder Missgeburten herausgestellt. Trotzdem ist Blinky zu einem Symbol für die ungeklärten Risiken der Atomkraft geworden.

Falko Hennig ist Schriftsteller. Zuletzt erschien sein Buch „Springfield auf Trip: Rausch, Wahn und Halluzinationen in den ,Simpsons‘“ bei Pieper and the Grüne Kraft.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: 20th Century Fox/Cinetext

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben