Wie einzigartig seine Aufnahmen waren, ging ihm erst spät auf: Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo

Im F.A.Z.-Gespräch: Georg Mascolo

Die Menschen wollten nicht mehr warten

Der heutige „Spiegel“-Chef Georg Mascolo hatte den Fall der Mauer mit seinem Filmteam am 9. November 1989 aus nächster Nähe erlebt. Er war seinem Instinkt gefolgt. Die Bilder, die er am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße machte, schrieben Geschichte. Beinahe hätte es sie nicht gegeben.

Lesermeinungen zum Beitrag

06. November 2009 21:47

Die Menschen wollten nicht mehr warten  

hans d. ripperger (hansdi04)

Das Verhalten des erwähnten Stasi-Oberstleutnants Harald Jäger wurde bisher öffentlich in keiner Weise gewürdigt, obwohl ohne seine Entscheidung der "Dominoeffekt" der Grenzöffnung in Berlin anders verlaufen wäre.
Wäre es nicht an der Zeit das nachzuholen? Ggf. sollte man vorher nochmals die entsprechende ARD-Doku dazu ansehen. Oder muss man warten bis der "Held" von damals, das selbst nicht mehr erlebt. Außerdem meine ich, dass seine Entscheidung vom 9.11.89 in diesem Fall seine lange Zugehörigkeit zur Stasi aufwiegt.

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06. November 2009 20:42

Höhepunkt ja, aber nicht das Finale "dieser deutschen Revolution"  

Tatiana Schmidt (tatiane)

Nach Georg Mascolo war der 9. November nicht der "Beginn der deutschen Revolution, er war Höhepunkt und das Finale zugleich."
Dem muß man widersprechen. Sicher war die endliche Öffnung der Berliner Mauer und der Grenzen zur BRD ein Höhepunkt der Bewegungen, die sich im Laufe des Jahres 1989 gebildet hatten. Die eigentliche Revolution, nämlich der Umsturz aller Verhältnisse in der DDR war danach nicht mehr aufzuhalten. Er manifestierte sich in totaler Offenheit der bis dahin von der Partei kontrollierten Massenmedien ebenso wie in permanenter Debatte in Betrieben, (Schein-)Parlamenten und runden Tischen. Es gab vom 10. November an keine Tabus und keine Unantastbaren mehr. Honecker u.a. wurden bereits Ende des Jahres verhaftet. Die jungen Reporter von ELF99 stießen bis nach Wandlitz vor, wo sie den (nach unsern Maßstäben bescheidenen) Wohlstand der SED-Bonzen entdeckten. Am 15. Januar 1990 stürmten Tausende die Stasi-Zentrale Berlin. Die Revolution war tatsächlich erst mit der Volkskammer-Wahl am 18. März zuende, und die Revolutionäre vom Neuen Forum und andern Bewegungen fühlten sich plötzlich um die Früchte betrogen. Veränderungen - ja, aber keine Wiedervereinigung, die bis heute von einigen (Grünen z.B.) "Anschluß" genannt wird.

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