
Ehemalige Staatsmänner als Gratulanten: Kanzlerin Merkel mti dem Russen Gorbatschow und dem Polen Walesa
09. November 2009 Der Platz dieses Kommentars würde kaum ausreichen, um alle Staatsmänner, Nobelpreisträger und Bürgerrechtler aufzuzählen, die nach Berlin gekommen sind, um mit den Deutschen den zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls zu feiern. Am 9. November 1989 wendete sich nicht nur die Geschichte Deutschlands, sondern ganz Europas. Die Zeitungen, Internetseiten und Fernsehsender sind seit Tagen voll mit Berichten über die damaligen Ereignisse.
Zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer scheint die Erinnerung an den glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte“ (Angela Merkel) die Deutschen noch mehr zu bewegen als vor zehn Jahren. Vielen treibt das Gedenken wieder Tränen in die Augen. Der 9. November ist, daran lässt sich nicht zweifeln, zum gar nicht mehr so heimlichen Nationalfeiertag der Deutschen geworden.
Mit dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte belastet
Zum offiziellen Gedenktag wurde der Sturm auf die Mauer, anders als etwa der Sturm auf die Bastille, jedoch nicht erhoben. Zu hoch mit den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte belastet erschien vielen Politikern und Intellektuellen dieses Datum. Die Liste der Finsternis reicht von der Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg über den Hitler-Ludendorff-Putsch bis zur Reichskristallnacht“ von 1938. Insbesondere aus dem Schatten des nationalsozialistischen Pogroms gegen die Juden könne der 9. November 1989 nicht heraustreten, hieß es zur Begründung: Wie wolle man an einem Tag Freiheit und Einheit feiern, an dem ein so furchtbares Ereignis stattgefunden habe?
Die Antwort darauf gaben die vergangenen Tage. Es ist möglich, sich über das eine zu freuen, ohne das andere zu vergessen oder zu verdrängen. Der 9. November ist seit zwanzig Jahren nicht mehr nur ein Datum der nationalen Schande, sondern auch ein Datum des nationalen Glücks; für die Ostdeutschen ist er ein Tag des berechtigten Stolzes.
Tag der historischen Wahrhaftigkeit
Kein anderes Datum vereint die Tief- und Höhepunkte der deutschen Geschichte so wie der neunte Tag des Novembers. Er ist ein Tag der historischen Wahrhaftigkeit. Der 3. Oktober, für den es gute Argumente gab, nimmt sich dagegen aus wie ein Nationalfeiertag aus der Retorte. Das Urteil über ihn war gefällt, als der Bundeskanzler Schröder den Feiertag auf den jeweils ersten Sonntag im Oktober verschieben wollte.
Niemand würde es dagegen wagen, Hand an den 9. November zu legen. Er ist der Tag der Deutschen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, reuters