Von „Entlassungs- produktivität” halten sie nichts

Sprache

Unwort des Jahres: „Entlassungsproduktivität“

Wie schon im Vorjahr erwies sich die Jury, die das „Unwort das Jahres“ wählte, als Feind betriebswirtschaftlicher Fachsprache: Nach dem „Humankapital“ 2004 trifft es diesmal die „Entlassungsproduktivität“.

Lesermeinungen zum Beitrag

25. Januar 2006 11:48

Feinde

gisbert heimes (gisbert4)

Ist die betriebswirtschaftliche Fachsprache sakrosankt? Ist ihr Feind, wer ihre Begriffe kritisch hinterfragt? Werden also die, die das tun, von den Betriebswirtschaftlern vice versa als Feinde wahrgenommen?

'Entlassungsproduktivität' ist so falsch wie unglücklich. Der produktivitätssteigernde Faktor ist nicht die Entlassung, sondern die der modernen Produktionsweise inhärente Automatisierung. Der Vorgang der Entlassung ist bloß die Konsequenz daraus.

(Das, was bei den einzelnen noch an Produktivität, sprich Mehrwertleistung, herauszuholen ist, geht in der Gesamtbetrachtung durch höhere Sozialkosten wieder verloren.)

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24. Januar 2006 17:04

Reine (sozial wertfreie) Marktwirtschaft bedeutet Fehloptimierung

Martin Bauer (Martin.Bauer)

Vorsicht, Frau Rodi-Nohr! Ich stimme mit Ihren Beiträgen im allgemeinen (fast völlig) überein, und genieße Ihren Stil, - so auch hier. Trotzdem hätte es heißen müssen: „ ... dass die Entlassungsproduktivität darin besteht, DER GESELLSCHAFT die Konsumpflicht ...“. Mit der Agenda 2010 erleben die Rückkehr einer neuen-alten Ideologie, die uns einredet, es ginge gerechter oder moralischer zu, wenn nicht mehr der Staat, sondern die Angehörigen das soziale Fallnetz spannen (müssen).

Aber dadurch wird nichts gebessert! Die sozialen („externen“) Kosten und Nutzen sind und bleiben der Betriebsökonomie fremd; zunehmend wird dadurch der „unverfälschte“ Marktmechanismus von Fehloptimierung angetrieben.

Der Hunger als der vermeintlich segensreiche Disziplinator, als der große Verbündete des ach so menschenfreundlichen Liberalismus, ist seit der ersten Blüte eines (sozialdarwinistischen) reinen Kapitalismus in den 1830er Jahren die hartnäckigste Obsession des Okzidents, die zynische Kehrseite der Aufklärung.

In Wahrheit ist Hunger der letztliche Grund, warum die Marktwirtschaft gerade im sog. freien Zustand ihrer Arbeitsmärkte weder gerecht, noch pädagogisch noch krisenfest ist. Läuternde Kraft bekommt materielle Entbehrung nie durch sich selbst, sondern nur indem Menschen – von der heutigen Wirtschaftsethik ungeblendet – sie weder sich noch anderen wünschen, und deshalb zu ihrer Abwehr – persönlich wie politisch – tätig werden. Gebe Gott, daß wir derlei wieder erleben dürfen.

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24. Januar 2006 15:20

Bevölkerung reduziert auf Humankapital

A. Ro-Nori (Steuerzahler)

Schon die Wortwahl unserer "Gesellschaftsführer" sollte bedenklich stimmen.

Das neue Unwort "Entlassungsproduktivität" bringt unverhohlen zum Ausdruck, das die Entlassungsproduktivität darin besteht, dem Staat die Konsumpflicht der Arbeitslosen aufzubürden, damit das Minimalprinzip weiter optimiert werden kann.

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