Hintergrund

Ermittlungen gegen Siemens in Europa

In Darmstadt stehen zwei ehemalige Siemens-Manager vor Gericht

In Darmstadt stehen zwei ehemalige Siemens-Manager vor Gericht

28. März 2007 Mit Korruptionsfällen von Siemens beschäftigen sich Staatsanwälte in mehreren europäischen Ländern. Nach Hinweisen aus der Schweiz hatten am 15. November des vergangenen Jahres in einer Großrazzia 250 Polizisten, Steuerfahnder und 23 Staatsanwälte Siemens-Standorte in München und Erlangen sowie in Österreich durchsucht.

Es besteht der Verdacht, dass in der Kommunikationstechniksparte Com über Jahre Schmiergeld aus schwarzen Kassen, unter anderem nach Griechenland, Saudi-Arabien und Nigeria, geflossen ist. Verträge mit Vertriebsberatern könnten das Instrument gewesen sein.

Siemens hat den Umfang zweifelhafter Beraterverträge auf 426 Millionen Euro beziffert. Zwischenzeitlich waren mehrere ehemalige Siemens-Mitarbeiter in Untersuchungshaft, darunter Thomas Ganswindt, der bis September 2006 im Zentralvorstand des Konzerns gewesen ist. Zu den Beschuldigten zählt die Münchner Staatsanwaltschaft auch den früheren Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger.

Schmiergeld für Enel-Mitarbeiter

Zahlungen von Siemens an den Unternehmensberater Wilhelm Schelsky sind ein Fall für die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. Der Verdacht besteht, dass Schelsky Millionenbeträge ohne Gegenleistung erhalten hat, um die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) zu fördern. Schelsky ist seit Mitte Februar in Untersuchungshaft, Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer, der 2001 den Vertrag mit Schelsky unterzeichnet hatte, seit Dienstag.

Ein Korruptionsfall in Italien wird seit Mitte März vor dem Landgericht Darmstadt verhandelt. Angeklagt sind zwei ehemalige Manager der Kraftwerkssparte von Siemens, Andreas Kley und Horst Vigener. Beide haben gestanden, dass Mitarbeiter des italienischen Energiekonzerns Enel von 1999 bis 2002 rund sechs Millionen Euro Schmiergeld erhalten haben.

Text: him., F.A.Z., 29.03.2007, Nr. 75 / Seite 3
Bildmaterial: AP

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