Von Joachim Jahn
14. Mai 2008 Aufsichtsräte fühlen sich nicht gut genug informiert. Immerhin 42 Prozent der Kontrolleure wollen von ihren Vorständen schneller über wichtige Abläufe in Kenntnis gesetzt werden. Die Informationsversorgung falle zu pauschal und zu unsystematisch aus, lautet ein weiterer Kritikpunkt. Das ergab eine Umfrage, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO für die Fachzeitschrift "Der Aufsichtsrat" durchgeführt hat.
Berichtswesen zählt
Die wichtigsten Informationsquellen sind demnach in der Unternehmenspraxis das laufende Berichtswesen sowie die Angaben von Vorstand oder Geschäftsführung. Nur 29 Prozent nannten dagegen die Berichte der Abschlussprüfer als eine ihrer wichtigsten Fundgruben bei ihrer regelmäßigen Überwachungstätigkeit. "Dem Abschlussprüfer kommt bei der Informationsversorgung des Aufsichtsrats offenbar nur eine untergeordnete Rolle zu", folgert der Münchner Hochschullehrer Manuel R. Theisen.
Der Hälfte der Befragten reichen auch die Verständlichkeit und Ausführlichkeit der Ausführungen der Prüfer nicht aus. Die Daten erreichen die Kontrolleure im Wesentlichen unmittelbar durch das Management. Der Regelfall ist nach der Studie zunächst die schriftliche Information, die dann während der Aufsichtsratssitzungen durch mündliche Berichte ergänzt wird.
„In der Holschuld“
Doch auch sich selbst sehen die Aufsichtsräte in der Pflicht: Zwei Drittel von ihnen betrachten es als ihre Holschuld, sich die erforderlichen Angaben zu verschaffen - viele von ihnen allerdings nur in Unternehmenskrisen oder bei einer Neubesetzung des Vorstands. Den Managern soll dabei kein Sonderrecht zustehen: Ebenfalls zwei Drittel der Corporate-Governance-Wächter wollen zumindest dem Bilanz- oder Prüfungsausschuss (Audit Committee) erlauben, sich am Vorstand vorbei kundig zu machen. Die Kommunikation in den Überwachungsgremien selbst verläuft aber auch nicht reibungslos. 60 Prozent der Mandatsträger räumen Probleme mit Vertraulichkeit und Verschwiegenheit ein. Bei der Kommunikation zwischen Ausschüssen und Plenum pochen 71 Prozent der Aufseher auf schriftliche Berichte.
Text: F.A.Z.
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