Mannesmann-Prozeß

Wiedersehen im Verhandlungssaal

Von Corinna Budras

23. Oktober 2006 So manches könnte am Donnerstag zum Déjà-vu-Erlebnis werden: Wenn die sechs Angeklagten zur zweiten Runde des Mannesmann-Prozesses den großen Schwurgerichtssaal L 111 des Landgerichts Düsseldorf betreten, wird vieles so sein wie bei der ersten Verhandlung, die im Januar 2004 begann. Sogar ihre alten Plätze nehmen sie wieder ein. Dem Alter nach geordnet, wird sich die ungewöhnlich heterogene Gruppe aus Vertretern von Kapital und Gewerkschaft an den langen Tischen vor der Richterbank aufreihen - jeder Angeklagte eingerahmt von seinen zwei Verteidigern.

Doch schon die wenigen personellen Veränderungen bei Verteidigung und Staatsanwaltschaft könnten dafür sorgen, daß die Verhandlung diesmal einen anderen Verlauf nimmt. So werden ausgerechnet die beiden erbittertsten Widersacher nicht mehr aufeinandertreffen: Noch vor zweieinhalb Jahren geriet der damalige Verteidiger des früheren Mannesmann-Chefs Klaus Esser, Sven Thomas, regelmäßig mit dem damals federführenden Staatsanwalt Johannes Puls aneinander.

Beißende Ironie

Die gegenseitige Abneigung war so fundamental, daß in der Verhandlung so manches Mal die professionelle Distanz verlorenging - und die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer mahnend einschreiten mußte. Doch schon vor einigen Monaten überraschte die Nachricht, daß der wortgewaltige Thomas, der seine Repliken an die Staatsanwaltschaft nicht selten mit beißender Ironie würzte, bei der Neuauflage des Verfahrens nicht mehr an Essers Seite sitzen wird. Eine Erklärung für diesen ungewöhnlichen Schritt ist bis heute nicht nach außen gedrungen.

Über eine schlechte Auftragslage wird sich Thomas trotzdem nicht beschweren können: So vertritt er etwa den ehemaligen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, in seinen strafrechtlichen Auseinandersetzungen mit dem früheren Medienmogul Leo Kirch. An seiner Stelle wird nun der Strafverteidiger Daniel Krause zusammen mit dem bisherigen Rechtsanwalt Jürgen Welp neben Esser Platz nehmen.

Auch die Staatsanwälte Puls und Lothar Schroeter werden nicht wieder mit von der Partie sein - obwohl gerade Puls stets mit scheinbar unbeirrbarer Hartnäckigkeit seine Sicht der damaligen Geschehnisse rund um die milliardenschwere Übernahme des deutschen Traditionskonzerns durch Vodafone vertrat. Er zeigte sich überzeugt davon, daß mit den Millionenzahlungen lediglich Essers Zustimmung zu der Transaktion gekauft werden sollte. Ein Vorwurf, den Esser stets scharf zurückwies.

Souveräne Prozeßführung

Die beiden Behördenvertreter sind mittlerweile zu Oberstaatsanwälten befördert worden und nun für andere Bereiche zuständig. Von den Anklägern der ersten Runde bleibt deshalb nur Dirk Negenborn übrig, der damals nach Meinung von Prozeßbeobachtern am besonnensten agierte. Ihm zur Seite steht der Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg.

Zudem wird wohl auch die Richterbank dafür sorgen, daß sich die Parallelen in Grenzen halten. Vor zwei Jahren führte noch die resolute Koppenhöfer das Regiment. Sie wurde zwar anfänglich als ehemalige Jugendrichterin belächelt, später jedoch wegen ihrer souveränen Verhandlungsführung gelobt. Nun ist die Zehnte Große Strafkammer und mit ihr der Vorsitzende Richter Stefan Drees zuständig. Er leitet die Kammer seit rund zweieinhalb Jahren. Die Beisitzende Richterin Christa Mosiek war zunächst Staatsanwältin, bevor sie vor 30 Jahren ins Gericht wechselte. Der 36 Jahre alte Richter Ingo Scholten sowie zwei Schöffen werden ebenfalls über das Schicksal der Angeklagten entscheiden.



Text: F.A.Z., 24.10.2006, Nr. 247 / Seite 16
Bildmaterial: AP

 
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