07. März 2007 Eine weitere Möglichkeit zur Partizipation an seitwärts gerichteten Märkten mit zumeist nach obenhin unbeschränkter Gewinnmöglichkeit bieten Bonus-Zertifikate, welche mittels integriertem Mechanismus eine Zusatzrendite ermöglichen, jedoch nur solange der Kurs des Basiswerts über der eingezogenen Kursschwelle (Barriere) bleibt. Bei Unterschreiten der Kursschwelle bildet das Zertifikat die Kursbewegungen des Basiswerts 1:1 ab.
Zu Beginn der Laufzeit wird das Bonus-Zertifikat mit Bonusniveau, Barriere und eventuell einem Cap ausgestattet. Diese Parameter werden abhängig von Laufzeit, Volatilität und den zu erwartenden Dividenden festgesetzt und bleiben über die gesamte Laufzeit konstant. Bei Emission entspricht der Preis des Bonus-Zertifikates in etwa dem Kurs des Basiswertes.
Am Laufzeitende erfolgt die Auszahlung des Bonus sogar dann, wenn der Basiswert bei Ablauf unter dem Startwert notiert. Entscheidend ist einzig und alleine, dass die Barriere niemals berührt bzw. unterschritten wird.
Dieser Abstand zur Barriere bietet allerdings nur eine partielle Absicherung bei leichten Kursrückgängen. Bei kräftigen Kurseinbrüchen und bei Berühren der Barriere wird der Bonusmechanismus außer Kraft gesetzt und das Zertifikat entspricht einem Direktinvestment z.B. in die Aktie oder den Index.
Der Anleger kann auch unbegrenzt an einer positiven Kursbewegung teilnehmen, sofern keine Obergrenze in Form eines Caps, der auch bei Discount-Zertifikaten zum Einsatz kommt, vorgesehen ist.
Auch bei diesem Zertifikate-Typ ist es entsprechend wichtig, sich eine Meinung über die Marktentwicklung im jeweiligen Zeitraum zu bilden und sich gleichzeitig auch Gedanken über das Ausmaß eines möglichen Kursrückschlags zu machen. Glaubt man beispielsweise an eine grundsätzlich positive Aktienentwicklung auf Jahressicht, möchte aber einen möglichen Kurseinbruch von 15-20 % absichern, so wäre ein Bonus-Zertifikat mit einer Barriere von zumindest 79 % durchaus empfehlenswert.
Wie wird ein Bonus-Zertifikat konstruiert?
Ähnlich wie beim Discount-Zertifikat werden Optionen zur Strukturierung herangezogen. Als Gegenleistung für den Verzicht auf Dividendenzahlungen wird eine Versicherung gegen Kursverluste abgeschlossen. Das Zertifikat ist eine Kombination des Basiswertes mit einer so genannter Down-and-out Put-Option, die eine Risikoabsicherung bis zu einer vordefinierten Kursschwelle (Barriere) ermöglicht. Die Absicherung mittels dieser speziellen Put-Option funktioniert allerdings nur bis zum Erreichen dieser Barriere, an der die Down-and-out Put-Option sofort wertlos verfällt.
Durch die spezifischen Eigenschaften der Put-Option kann es zu zwei unterschiedlichen Auszahlungsszenarien kommen. Im für den Anleger günstigeren Fall unterschreitet der Kurs des Basiswerts die Barriere während der Laufzeit nicht. Damit bleibt auch der Anspruch auf die Bonuszahlung aufrecht. Sollte der Kurs des Basiswertes am Laufzeitende über dem Bonusniveau liegen, so erhält der Anleger
zusätzlich die entsprechende Performance des Basiswerts abgegolten. Im ungünstigen Fall, also bei einer Verletzung der Barriere während der Laufzeit, entspricht die Auszahlung am Laufzeitende genau dem Basiswert. Etwaige Verluste des Basiswertes sind in vollem Umfang vom Anleger zu tragen (siehe Grafik).
Funktionsweise eines Bonus-Zertifikates
Anhand unserer bereits bekannten A&A Aktien wollen wir die unterschiedlichen Auszahlungsvarianten eines Bonus-Zertifikates noch etwas genauer unter die Lupe nehmen. Einerseits soll das Verhalten in unterschiedlichen Marktphasen anhand mehrerer Beispiele behandelt werden und anderseits muss gerade beim Bonus auf die zwei möglichen Fälle - d.h. wurde die Barriere während der Laufzeit durchbrochen oder nicht - Rücksicht genommen werden. Variante 1: keine Verletzung der Barriere während der Laufzeit. Als Eckdaten zur Berechnung nehmen wir folgendes an: Referenzkurs 100, Bonusniveau 150, Barriere 70, Bezugsverhältnis 1:1
a) Seitwärtsmarkt
Gerade in unentschlossenen Marktphasen kann das Bonus-Zertifikat seine wahren Stärken ausspielen. Üblicherweise würde ein Anleger bei einem Seitwärtstrend über die Gesamtlaufzeit nicht viel gewinnen oder sogar einen kleinen Verlust einfahren. Beim Bonus-Zertifikat hingegen kommt laut unserer Versuchsanordnung trotz eines am Laufzeitende nur geringfügig abweichenden Kurses der A&A Aktie der gesamte Bonus in Höhe von 50 plus Nominale von 100 zur Auszahlung.
Vorsicht: Dabei darf die Barriere von 70 zu keinem Zeitpunkt während der Laufzeit verletzt werden! Daher ist es auch ratsam, sich die Kursentwicklung des gewählten Basiswertes in der Vergangenheit anzusehen, um zumindest gewisse Rückschlüsse über die Schwankungsintensität ableiten zu können. Gleichzeitig sind vergangene Daten leider kein Garant für künftige Kursentwicklungen.
b) Deutlicher Aufwärtstrend
Gehen wir von einem starken Aufwärtstrend der A&A Aktie über die gesamte Laufzeit des Zertifikates aus. Z.B. könnte der Preis unseres Basiswertes von 100 auf 160 ansteigen. In diesem Fall würden genau diese 160 auch bei unserem Bonus-Zertifikat zur Auszahlung kommen, da dieses vollständig an der Kursentwicklung des Basiswerts partizipiert. Höhere Kurse der A&A Aktie würden einen entsprechend höheren Kurs des Bonuses bewirken, sofern das Zertifikat nicht mit einem entsprechenden Cap begrenzt wurde.
Variante 2: Verletzung der Barriere während der Laufzeit
c) Kräftige Kurskorrektur
Selbstverständlich sind Aktienkurse keine Einbahnstraße, weshalb es auch zu entsprechend starken Kursrückschlägen kommen kann. In unserem Fall, bei einem Bonus-Zertifikat mit Kursschwelle, also Barriere, von 70, ist der Anleger bis zum Erreichen dieser Schwelle abgesichert. Fällt der Kurs der A&A Aktie allerdings darunter, so geht der Anspruch auf den Bonus verloren und der Investor trägt den vollen Verlust im Basiswert. Unter diesen Annahmen entspricht also die Performance des Zertifikates exakt jener der A&A Aktie, d.h. dem Direktinvestment vorbehaltlich etwaiger Dividendenzahlungen (siehe Grafik).
Tipp: Bei einer Verletzung des Absicherungsniveaus sollte nicht unbedingt sofort die Notbremse gezogen werden. Sollten die ursprünglichen Annahmen zu einem Basiswert noch gelten, dann kann es durchaus Sinn machen das Zertifikat bis zum Laufzeitende zu behalten.
Resümee:
Im Vergleich zu einem Direktinvestment ist das Bonus-Zertifikat auf Grund seiner Risiko reduzierenden Eigenschaften sehr interessant. Gleichzeitig sollten vor allem konservative Anleger bedenken, dass keine Garantie auf den Bonus sowie das eingezahlte Kapital besteht. Ein weiterer Wermutstropfen könnte die Laufzeit sein, die je nach Produkt sehr lange ausfallen kann.
Während der Laufzeit muss das Bonus-Zertifikat nicht unbedingt den Bewegungen des Basiswerts entsprechen, da vor allem der Einfluss der Put-Option oder gegebenenfalls des Caps entsprechend groß sein kann. Um die Bonuszahlung zu lukrieren, sollte das Zertifikat bis zum Laufzeitende gehalten werden.
Pros:
- Bonusanspruch: Sofern die Barriere (Kursschwelle) während der Laufzeit niemals unterschritten wird, besteht Anspruch auf eine Bonuszahlung. D.h. der Ertrag aus einem Bonus-Zertifikat ist höher als jener eines Direktinvestments, falls der Kurs des Basiswerts während der Laufzeit zwischen Kursschwelle und Bonuslevel bleibt.
- Partizipation an Kursgewinnen: Der Investor hat durch den Einsatz eines Bonus-Zertifikates die Möglichkeit, exakt dieselbe Kursperformance wie im Basiswert zu generieren. Bei stark steigenden Märkten wird zu 100 Prozent an der Kursentwicklung partizipiert, während bei Rückschlägen ein Puffer besteht.
- Risikopuffer durch Barriere: Auf Grund einer ausgeklügelten Konstruktion inkludiert das Bonus-Zertifikat eine partielle Risikoabsicherung, die im Falle einer Entwicklung des Basiswertes gegen die eigenen Erwartungen das Verlustrisiko reduziert. Der Grad der Risikoreduktion hängt vom Abstand der gewählten Barriere zum Kurs des Basiswerts ab.
- Jederzeit handelbar: Bonus-Zertifikate sind jederzeit handelbar, womit zu jedem Zeitpunkt ein Ausstieg möglich ist. Grundsätzlich sollte jedoch die Strategie so gewählt werden, dass das Zertifkat bis zum Ende der Laufzeit gehalten wird.
Cons:
- Keine Dividenden oder sonst. Erträge: Der bedeutendste Nachteil im Vergleich zu einem Direktinvestment in den Basiswert besteht im Verzicht auf laufende Erträge. Da diese zum Aufbau der Absicherungsinstrumente genutzt werden.
- Kursrisiko des Basiswertes: Zwar reduziert die eingebaute Optionsstrategie die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts, gleichzeitig kann ein entsprechendes Restrisiko nicht ausgeschlossen werden.
- Sonstige Einflussfaktoren: Obwohl eine Bonus-Konstruktion so konzipiert ist, dass am Ende der Laufzeit die Volatilität keine Rolle spielt, kann diese während der Laufzeit zu Abweichungen von der Kursentwicklung des Basiswerts führen.
- Markterwartung: Der Anleger sollte sich Gedanken über den erwarteten Kursverlauf machen, um die Barriere bestmöglich abstimmen zu können. Dabei unterscheidet sich ein Investment in ein Bonus-Zertifikat allerdings nicht von einem Direktinvestment.
Text: Raiffeisen Research; @JüB
Bildmaterial: RZB Asset Allocation
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 3.142 | +0,00 | -25,02 |
| Andere | 5.674 | +0,00 | -9,43 |
| Derivative | 51 | +0,00 | -5,84 |
| Geldmarkt-/nahe | 227 | +3,68 | -3,41 |
| Gemischte | 264 | +1,03 | -15,20 |
| Renten | 1.363 | +4,61 | -8,80 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten HKD | +4,61 |
| Geldmarkt/-nahe Fonds GBP | +3,68 |
| Renten JPY | +3,61 |
| Aktien Russland & CIS | -25,02 |
| Aktien Brasilien | -22,82 |
| Aktien Österreich | -21,10 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |