30. Mai 2006 Grundsätzlich gilt: Ein Zertifikat legt der Emittent in erster Linie nicht deswegen auf, damit sie Anleger damit reich werden, sondern um selbst damit Geld zu verdienen. Deshalb sollte man vor dem Kauf die Anlage immer kritisch überprüfen. Häufig ergeben sich dabei Zweifel an der positiven Darstellung der Emissionsflyer.
Gutsel nur am Ende der Laufzeit
Anleger können in der Regel nur dann voll von den Auszahlungs- und Schutzmechanismen eines Zertifikats profitieren, wenn sie dieses bis zum Ende der Laufzeit behalten. Das gilt besonders für Bonus- oder Garantie-Zertifikate, die sich ausschließlich in diesem Fall lohnen.
Opportunitätskosten einkalkulieren
Viele Zertifikate werden Anlegern zur Risikominimierung empfohlen. Das bringt in der Regel eine niedrige Rendite mit sich. Durch Spesen und andere Opportunitätskosten kann diese in einen unattraktiven Bereich gedrückt werden.
Der Spread zwischen Kauf- und Verkaufkurs muss erste einmal verdient werden. Hinzu kommen Bankspesen, die zum Beispiel bei Festgeldanlagen oder Bundeswertpapieren nicht oder nicht in wesentlichem Umfang anfallen.
Daneben müssen Anleger jährliche Managementgebühren einkalkulieren. Sie liegen in der Regel zwischen 0,75 und einem Prozent. Bei Zertifikaten auf Aktien werden Dividenden und bei Anleihen die laufenden Zinszahlungen in der Regel vom Emittenten einbehalten. Dies mindert den relativen Ertrag des Zertifikats.
Pferdefuß zeitlicher Bezug
Zertifikate basieren darauf, dass ein bestimmtes Ereignis beim Basiswert eine bestimmte Reaktion beim Zertifikat auslöst. Dabei übt der zeitlicher Bezug maßgeblichen Einfluss auf. Sind Zertifikate stichtagsbezogen, das heißt wird zum Beispiel ein Bonus nur dann gezahlt, wenn der Basiswert am Stichtag auf oder über einem bestimmten Niveau notiert, ist die Anlage ungleich riskanter als wenn sich das Überschreiten der Marke auf einen beliebigen Tag in einem festgelegten Zeitraum bezieht.
Umgekehrt ist ein Zertifikat dann riskanter, wenn der Verlust des Bonus sich auf das Unterschreiten der Marke in einem bestimmten Zeitraum bezieht, als wenn es auf einem Stichtag basiert. Auch dies ist eine Frage der Wahrscheinlichkeiten.
Hohe Volatilitäten
Zertifikate spekulieren in der Regel auf die Entwicklung eines Basiswerts oder eine Anzahl von Basiswerten. Je länger die Laufzeit eines Zertifikats ist, desto ungewisser ist die Entwicklung. Das ist bedeutend vor allem für laufzeitbezogene Zertifikate entscheidend, deren Prospekte auf das Sicherheitsbedürfnis der Anleger zugeschnitten sind. So ist zum Beispiel bei nahezu jeder Aktie davon auszugehen, dass sie innerhalb einer Laufzeit von zwei Jahren nach oben oder unten um über 25 Prozent schwanken kann. Solche Anlagen sind keineswegs für sicherheitsbedürftige Anleger geeignet.
Etwas Wahrscheinlichkeitsrechnung schadet nicht
Zertifikate haben die Eigenschaft, dass sie keine gewisse Rendite bieten. Meist werden vom Emittenten einige Szenarien angegeben, bisweilen auch mit der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens. Daraus kann, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eigener Schätzungen, ein Erwartungswert für die Rendite errechnet werden, der als Orientierungsgröße dienen kann. Zu beachten ist, dass der Erwartungswert nur eben die mittlere, zu erwartende Rendite angibt und selbst nicht eintritt. Das bedeutet, dass eine vergleichbare Anlage mit einer sicheren Rendite in gleicher Höhe jedenfalls vorzuziehen ist.
Praktisch ist es indes häufig schwierig, Chancen und Risiken einigermaßen präzise abzuschätzen, weil die benötigten Daten oft nur sehr aufwendig zu beschaffen sind oder die Konstruktion des Szenarios zu komplex ist. Das erhöht das Risiko des Papiers sehr stark.
Baskets können Risiken potenzieren
Üblicherweise geht man davon aus, dass eine breitere Streuung Risiken mindert. Das ist nicht der Fall bei Basket-Zertifikaten, die nach dem First-to-default-Prinzip gestrickt sind. In diesem Fall multiplizieren sich die Risiken, weil bereits ein Misserfolg genügt, um die Gesamtanlage zum Misserfolg geraten zu lassen.
Seitwärtstrends
Bei seitwärts gehenden Märkten kann sich eine Investition in Discount-Zertifikate, da diese gleichsam ein künstlich niedrigen Einstiegskurs bieten. In deutlich nach unten laufenden Märkten ist der Abschlag schnell verbraucht und bei steigenden Kursen bleibt die Rendite deutlich hinter der des Basiswerts zurück. In Zeiten niedrigen Volatilitäten schrumpft indes der Puffer zusammen und damit auch ihr Vorteil.
Moderate Aufwärtstrends
Für die Spekulation auf einen langfristigen, moderaten Aufwärtstrend bieten sich Outperformance- oder Express-Zertifikate an. Im ersten Fall bessert der Hebel die moderate Rendite auf, im zweiten Fall lohnt es sich, falls die Entwicklung des Basiswerts hinter der Ausschüttung zurückbleibt.
Bei kräftigeren Kursgewinnen bleiben die Gewinne indes durch den Cap begrenzt und entwickeln sich auf diese Weise oftmals deutlich schlechter als der Basiswert.
Bei Outperformance-Zertifikaten gilt, dass sich Anleger nicht von der Höhe des Hebels blenden lassen sollten, da die Risiken dann zu hoch werden. Der Startpunkt für den Hebel sollte vielmehr nahe dem aktuellen Kursniveau liegen, damit diese schnell zum Tragen kommt.
Bei Express-Zertifikaten kann eine Besteuerung aufgrund einer vorzeitigen Rückzahlung möglicherweise die Rendite schmälern. Der erste Zahlungstermin sollte so liegen, dass das bei einer frühzeitigen Rückzahlung Kursgewinne steuerfrei vereinnahmt werden können.
Spekulationsstrategien
Für Anleger, die ein Zertifikat aufgrund der hohen Renditechancen kaufen möchten und dabei entsprechende Verluste in Kauf zu nehmen bereit sind empfehlen sich im allgemeinen Zertifikate mit hohen Hebeln. Dazu gehören neben den Hebel-Zertifikaten vor allem Mini-Future-Zertifikate, bei denen ein volatiler Basiswert zusätzlich gehebelt wird.
Text: kpa., F.A.Z., 21.10.2005, Nr. 245 / Seite 25
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 3.340 | +0,00 | -17,52 |
| Andere | 8.113 | +0,00 | -6,87 |
| Derivative | 51 | +0,69 | -0,26 |
| Geldmarkt-/nahe | 244 | +1,18 | -2,76 |
| Gemischte | 244 | +0,00 | -7,20 |
| Renten | 1.460 | +5,20 | -3,29 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +5,20 |
| Geldmarkt/-nahe Fonds CHF | +1,18 |
| Hedge Aktien | +0,69 |
| Aktien Indien | -17,52 |
| Aktien Portugal | -15,32 |
| Aktien Griechenland | -15,26 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.272,21 | -1,28 |
| TecDax | 734,26 | -0,60 |
| DowJones | 11.288,54 | +0,65 |
| Nasdaq | 2.245,38 | -0,27 |
| STOXX 50 | 3.275,20 | -1,67 |
| Nikkei 225 | 13.237,89 | -0,21 |
| S&P 500 Zert. | 12,61 | +0,08 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,10 |
| Bund Future | 111,54 | +0,36 |
| Gold | 931,10 | -0,10 |
| Öl | 145,16 | +0,10 |
Endlich ein Deutscher besser als Stauffenberg
23:22War ja klar - wie sollte er auch nachgeben...
23:02Zahlen, die der Statistik entstammen, müssen gedeutet werden.
