06. Juli 2007 Die deutschen Privatanleger zeigen Nervenstärke: Obwohl der Aktienindex Dax im Juni zwischen 7.600 und 8.100 Punkten schwankte, blieb ihr Vertrauen in die Märkte ungebrochen, zeigt eine Umfrage von JPMorgan Asset Management.
Der Anteil der Börsenoptimisten stieg nach leichter Abschwächung im Mai sogar wieder um 2,7 Prozentpunkte an. Im Juni glaubten nun 70,3 Prozent der Befragten daran, dass sich der deutsche Aktienmarkt in den nächsten sechs Monaten positiv entwickeln wird. Das ist der zweithöchste jemals erhobene Wert. Parallel sank der Anteil der Börsen-Skeptiker um weitere 0,6 Punkte: Mit 6,6 Prozent erreicht der Anteil der Pessimisten einen absoluten Tiefstwert, unterstreicht Jean Guido Servais von JPMorgan Asset Management die Aussage der Zahlen.
Das aktuelle Stimmungshoch lässt den JPMorgan Asset Management Investor Confidence-Gesamtindex auf einen Rekordwert steigen. Der Mittelwert aus allen Antworten stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 7,3. Dieser bisherige Spitzenwert wurde bereits im Januar sowie im April 2007 erzielt.
Stimmung sinkt gegen den Trend bei Männern und in den alten Bundesländern
Die Stimmungsverbesserung geht in erster Linie auf die weiblichen Befragten zurück: Ihr Indexwert stieg um 1,1 Prozentpunkte auf 6,6. Die männlichen Anleger zeigten sich dagegen etwas verhaltener optimistisch - ihr Wert ging leicht von 8,6 auf 7,7 zurück. Eine solch gegenläufige Entwicklung ist nur selten zu beobachten - tendenziell sind die Anlegerinnen vorsichtiger gestimmt als die befragten Männer, sagt Servais. Insgesamt haben sich weibliche und männliche Befragte in ihrem Stimmungsbild jedoch wieder aufeinander zu bewegt, wobei die Damen nach wie vor leicht unter dem Durchschnitt liegen.
Wie bereits seit April des Jahres 2006 zu beobachten, entwickelte sich die Stimmung Ost und West auch im Juni gegenläufig. Während der Gesamtindex in den alten Bundesländern leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent zurückging, nahm er in den neuen Bundesländern rasant an Fahrt auf und stieg um 2,9 Punkte auf 8,5. Damit schließt sich zwar die Ost-West-Schere wieder etwas, hat aber erneut unterschiedliche Ausprägungen: Die Befragten der alten Bundesländer, im letzten Monat noch unterdurchschittlich gestimmt, befinden sich nun im Stimmungs-Höhenflug und erreichen einen neuen Index-Rekordwert.
Nachholbedarf für die Anlagekultur in Deutschland
Mit der Investor Confidence-Studie werden die aktuellen Markteinschätzungen und Investitionsabsichten der Privatanleger ermittelt. Die von der GfK durchgeführte repräsentative Befragung findet monatlich in Deutschland sowie vierteljährlich in Österreich, Schweden und der Schweiz statt. Der Anteil der deutschen Anleger, die in Wertpapiere investiert haben, ging gemäß der Studie im Juni 2007 erneut zurück. Mit 18,0 Prozent liegt er so niedrig wie zuletzt im September des Jahres 2005. Im Vergleich dazu ist die Investmentkultur in Österreich mit 21,9 Prozent und in der Schweiz mit 33,7 Prozent ausgeprägter.
Bei den Schweizern sind Aktien die beliebteste Anlageform und werden von 22,5 Prozent der Befragten genutzt. Dagegen trauen sich nur 9,2 Prozent der Österreicher zu Direktanlagen, in Deutschland liegt der Anteil der Befragten gerade einmal bei 6,1 Prozent. Aber auch bei Fondsinvestments stehen die Deutschen mit 12,2 Prozent hinter den Nachbarn aus Österreich mit 14,6 Prozent und der Schweiz mit 15,0 Prozent zurück.
Auch Gesamtbevölkerung mit Pessimisten-Tiefstand
Da aufgrund der immer noch sehr geringen Investmentaktivität noch nicht einmal jeder fünfte der rund 2.000 Befragten im JPMorgan Asset Management Investor Confidence-Index erfasst wird, ist ein zusätzlicher Blick auf die Gesamtbevölkerung sinnvoll, um ein umfassendes Stimmungsbild zu erhalten. Das zeigt, dass der anhaltende Aufwärtstrend der Börse trotz erhöhter Schwankungsintensität für zunehmendes Vertrauen sorgt. Mit 38,6 Prozent Optimisten stieg der Anteil um einen Prozentpunkt. Der Anteil der Börsen-Skeptiker erreicht mit 21,2 Prozent ein Rekordtief. Der Wert des Investor Confidence-Gesamtindexes stieg um 0,5 Prozentpunkte auf 0,9 und ist nur noch 0,1 Punkte vom bisherigen Allzeithoch entfernt.
Investitionsklima hält nicht ganz mit Börseneuphorie Schritt
Trotz der positiven Grundstimmung bleibt die Bereitschaft der deutschen Privatanleger, in den kommenden zwölf Monaten weitere Investitionen vorzunehmen, unter der 50-Prozent-Marke. Mit 48,3 Prozent stehen sie im Vergleich zu den Nachbarländern jedoch gar nicht so schlecht da: Zwar wollen in Österreich mit 52,5 Prozent mehr Anleger in naher Zukunft investieren, aber mit 76,9 Prozent Börsen-Optimisten sind dort auch mehr als drei Viertel der Anleger von steigenden Kursen überzeugt. Die Schweizer zeigen sich mit 27,5 Prozent zukünftigen Investoren dagegen wesentlich vorsichtiger. Und das, obwohl die Börsen-Stimmung auch dort optimistischer ist als in Deutschland. Möglicherweise liegt die verhaltene Kauflust daran, dass in der Schweiz mit rund 11 Prozent noch mehr Börsen-Skeptiker zu finden sind als in Österreich mit 7,3 Prozent oder Deutschland mit 6,6 Prozent.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, JPM Asset Management, Oppenheim Research
