Sinologisches Allerlei

10. Juli 2008 Darf es vielleicht wieder einmal ein rhetorisches Feuerwerk über China sein? Dieses Genre hat der Buchmarkt in den vergangenen Jahren zwar reichlich bedient. Aber es findet sich immer wieder ein Autor. Und es findet sich auch immer wieder ein Verlag. Jedes dieser Bücher gibt vor, nun endlich einer nach Erkenntnis lechzenden Öffentlichkeit ein realistisches Bild Chinas zu vermitteln. Nun kommt also "Der erwachte Drache" daher. Immerhin weiß der Autor, worüber er schreibt, ist er doch Sinologe. Aber statt sich mit Bedacht auf eine überschaubare Zahl von Aspekten zu konzentrieren, rast er mit sprachlichem Übereifer einmal kreuz und quer durch die Volksrepublik. Er ist zwar kein Journalist, teilt aber mit manchen Vertretern dieses Berufsstandes den Hang zur Besserwisserei. Heraus kommt viel Bedenkenswertes, das eine oder andere Überflüssige, zuweilen auch etwas Dummes. Lesen lässt es sich gut. Weshalb die Darstellung aber ursprünglich bei der renommierten Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen ist, erschließt sich nicht unmittelbar. (Martin Guan Djien Chan: Der erwachte Drache. Großmacht China im 21. Jahrhundert. Theiss Verlag, Stuttgart 2008. 200 S., 24,90 [Euro].)

PETER STURM



Buchtitel: Der erwachte Drache - Großmacht China im 21. Jahrhundert
Buchautor: Guan Djien Chan, Martin

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2008, Nr. 159 / Seite 7

 
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