10. Juni 2009 Theodor Ritter von Zeynek (1873-1948), der aus einer österreichisch-schlesischen Beamtenfamilie stammte, erlebte im Generalstabskorps in Wien noch das Ende der Ära Beck (Chef des Generalstabs von 1882 bis 1906), den er bei aller persönlichen Hochachtung als nicht mehr zeitgemäß einstufte. Dessen Nachfolger Conrad von Hötzendorf erschien ihm als Aufbruch in bessere Zeiten. Im Operationsbüro war Zeynek für den Aufmarsch "Balkan" verantwortlich. Von 1914 bis 1916 diente er an der Ostfront, zuletzt als Generalstabschef der 7. Armee, wobei er mit seiner Planung bei der Verteidigung der Bukowina hervortrat. Danach war er bis zum Ende des Kriegs als Chef der Quartiermeisterabteilung des Armeeoberkommandos vor allem für die Verpflegung der Truppen zuständig. Während er eine positive Bilanz dieser Tätigkeit zog, machte ihn der zuständige zivile Ministerialbeamte für die "bösesten Verböserungen" verantwortlich. Nach dem Krieg zog sich Zeynek ins Privatleben zurück. Die gut edierten Erinnerungen Zeyneks bieten einen interessanten Einblick in die Denkweise eines jüngeren österreichischen Generalstabsoffiziers. Er war nicht nur militärisch ein Anhänger Conrads, den er auch während des Ersten Weltkriegs nur lobte und für falsche Entscheidungen entschuldigte, sondern auch politisch, da er wie sein Vorbild für einen Präventivkrieg gegen Serbien und Italien plädierte. Den Staaten in Südosteuropa sprach er jede Existenzberechtigung ab. Die 1935 und 1940 verfassten Kriegserinnerungen beruhen auf nicht mehr vorhandenen Tagebuchaufzeichnungen.
FRANZ-JOSEF KOS.
Peter Broucek (Herausgeber): Theodor Ritter von Zeynek: Ein Offizier im Generalstabskorps erinnert sich. Böhlau Verlag, Wien 2009. 365 S., 49,- [Euro].
Buchtitel: Theodor Ritter von Zeynek: Ein Offizier im Generalstabskorps erinnert sich
Buchautor: Broucek, Peter
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2009, Nr. 132 / Seite 8