08. Oktober 2003 hra. SAN FRANCISCO, 8. Oktober. Mit einem überraschend großen Vorsprung ist der Filmschauspieler Arnold Schwarzenegger zum neuen Gouverneur Kaliforniens gewählt worden. Bei der Sonderwahl am Dienstag sprachen sich mehr als 55 Prozent der Wähler für eine Amtsenthebung des seit fünf Jahren regierenden Gouverneurs Davis aus. Gleichzeitig gaben fast 49 Prozent der Wähler dem politisch völlig unerfahrenen ehemaligen Bodybuilder ihre Stimme. Für Schwarzeneggers schärfsten Rivalen, den stellvertretenden Gouverneur Bustamante, stimmten nur 31 Prozent. Alle drei Politiker kündigten nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses an, man wolle künftig im Interesse des bevölkerungsreichsten Bundesstaates zusammenarbeiten.
Wie bei seinen Wahlkampfveranstaltungen blieb Schwarzenegger auch am Abend seines ersten Wahlsieges politisch vage. Er sei als mittelloser Einwanderer nach Kalifornien gekommen und verdanke diesem Staat alles, sagte er in Los Angeles in einer Rede nach Bekanntwerden der Wahlergebnisse. Nun habe die Bevölkerung ihm auch noch Vertrauen geschenkt, als Gouverneur regieren zu dürfen. "Ich werde euch nicht enttäuschen", rief Schwarzenegger seinen jubelnden Anhängern zu. Schwarzenegger hatte im Wahlkampf nicht deutlich gemacht, wie er die Finanzmisere des wirtschaftlich stärksten amerikanischen Bundesstaates bekämpfen will. Bis zum 10. Januar muß der neue Gouverneur einen Finanzplan vorlegen; das Haushaltsdefizit beträgt 38 Milliarden Dollar.
Noch nie in der jüngeren Geschichte Kaliforniens war ein derart großer Teil der Berechtigten zur Wahl gegangen wie am Dienstag. Fast 60 Prozent der registrierten Wähler gaben ihre Stimme ab. Obwohl mehr als 130 Kandidaten angetreten waren, um Davis abzulösen, kam es nicht zu der befürchteten Zersplitterung der Stimmen. Vielmehr stimmten insgesamt 97 Prozent der Wähler für die vier einzigen ernstzunehmenden Kandidaten. Neben Schwarzenegger und Bustamante gehörten dazu der republikanische Senator McClintock und der Vertreter der Grünen, Camejo. Knapp die Hälfte dieser Stimmen entfielen auf den 56 Jahre alten Einwanderer aus Österreich. Schwarzenegger konnte damit mehr Stimmen für sich verbuchen als Davis bei seiner Wiederwahl zum Gouverneur vor elf Monaten. Nachwahlanalysen zeigten, daß Davis besonders bei mexikanischen Einwanderern und Gewerkschaftsmitgliedern verlor.
Im Großraum Los Angeles, dem bevölkerungsreichen Süden des Bundesstaates, sprachen sich nahezu zwei Drittel der Wähler für die Amtsenthebung von Davis aus. In den acht Landkreisen im Großraum San Francisco stimmte dagegen die Mehrheit der Wähler für einen Verbleib des Gouverneurs. Dort erhielt auch Bustamante mehr Stimmen als Schwarzenegger. Obwohl Bustamante unterlag, behält er sein Amt als stellvertretender Gouverneur und kündigte an, künftig in den Regierungsgeschäften eng mit Schwarzenegger zusammenzuarbeiten. (Siehe Seiten 5, 10, sowie Wirtschaft, Seite 14, und Feuilleton.)
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2003, Nr. 234 / Seite 1
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