Von Karsten Polke-Majewski
09. November 2000 Tausende von Menschen sammelten sich an einem kalten Novembertag in Berlin. Die alte Regierung war gestürzt worden, die wirtschaftliche Lage des Landes miserabel, aber die Laune war gut. Vom Balkon des Reichstags rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus. Das Kaiserreich wurde zu Grabe getragen.
Siebzig Jahre später demonstrierten in Berlin wieder die Menschen. Tausende drängten sich in der Stadt Um 18.57 Uhr verkündete Günter Schabowski die Reisefreiheit für die Bürger der DDR. Die Mauer fiel.
Der Tag des Jahres
Der 9. November ist der Tag des Jahres für Deutschland. Auf dieses Datum gründet sich zweimal die demokratische Tradition der Republik. Zweimal warf das Volk eine despotisches Regierungssystem ab und forderte die Macht im Lande für sich.
Doch der 9. November ist auch der schwärzeste Tag. An diesem Tag brannten 1938 die Synagogen in Deutschland. Die Progromnacht war der Auftakt für die Ermordung des europäischen Judentums. Sie war auch der Auftakt für die Selbstzerstörung Deutschlands. Nur der politischen Vernunft der Alliierten ist es zu verdanken, dass Deutschland nach diesem Geschehen weiter existierte, wenn auch in zwei Staaten.
Kommunistische Tradition
In der DDR wurde der 9. November feierlich begangen. 1918 hatte der Kommunist Karl Liebknecht an diesem Tag die Sozialistische Republik ausgerufen. Er begründete die staatliche kommunistische Tradition des Landes, die in der vierzig Jahre währenden linken Diktatur der SED gipfelte.
Im 9. November konzentriert sich die deutsche Identität des vergangenen Jahrhunderts. An diesem Tag entscheidet sich die tragische Geschichte Deutschlands mit sich selbst. Diktatur und Demokratie treffen aufeinander. Seit 1989 ist daraus eine demokratische Identität gewachsen, die schon selbst eine erfolgreiche Geschichte vorzuweisen hat. Die Erkenntnis, dass die Würde des Menschen die Grundlage alles staatlichen Handelns sein muss, hat der Demokratie zum Sieg verholfen. Das gilt es zu schützen.
Text: @kpm.
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