Terrorismus

Terroranschlag in Australien vereitelt

08. November 2005 Die australische Polizei hat nach eigenen Angaben einen größeren Terroranschlag verhindert und 17 Verdächtige festgenommen. Die mutmaßlichen Terroristen seien bei Razzien am Dienstag in Sydney und Melbourne festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher des Staates New South Wales dem Rundfunksender ABC.

Insgesamt waren mehr als 500 Polizisten im Einsatz. Über das mutmaßliche Ziel und den Zeitpunkt des geplanten Anschlags wollten die Ermittler keine Angaben machen. Allerdings hatten Behördenvertreter in der Vergangenheit gesagt, Verdächtige hätten die Oper in Sydney, die Harbour Bridge, mehrere Bahnhöfe und die Börse in Melbourne ausspioniert.

Bei den Razzien seien Waffen und Chemikalien sichergestellt worden, mit denen offenbar Bomben gebaut werden sollten, hieß es in einer Erklärung der Polizei. Die Chemikalien hätten denen geähnelt, die bei den Terroranschlägen in London im Juli eingesetzt wurden. Auch Computer und Rucksäcke wurden beschlagnahmt. Acht der Männer wurden in Sydney und die übrigen neun in Melbourne festgenommen. Unter den Festgenommenen ist nach Angaben eines Anwalts ein radikaler muslimischer Geistlicher mit dem Namen Abu Bakr. Dem Einsatz gingen laut Polizei 16monatige Ermittlungen voraus.

Die Polizeichefin des Staates Victoria, Christine Nixon, sagte, es habe sich um den größten Anti-Terror-Einsatz in der Geschichte Australiens gehandelt. Zunächst war von 17 Festnahmen die Rede, die Polizei korrigierte die Zahl jedoch später.

Einem Verdächtigen in den Nacken geschossen

In Sydney schoß die Polizei auf einen der Verdächtigen und verletzte ihn im Nacken. Justizminister Chris Ellison sagte, der Mann befinde sich nach einer Operation in kritischem Zustand. Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Verdächtige das Feuer eröffnet. Ein Polizist habe einen leichten Streifschuß erlitten. Im Rucksack des Verdächtigen sei eine Handfeuerwaffe gefunden worden.

Staatsanwalt Richard Maidment sagte, die neun in Melbourne festgenommenen Verdächtigen hätten eine Terrorgruppe gebildet und „unschuldige Männer und Frauen in Australien“ töten wollen. Abu Bakr sei der Kopf der Gruppe gewesen. Bakr hatte den Anführer des Terrornetzwerks Al Qaida, Usama bin Ladin, als „großen Mann“ bezeichnet. Die Gruppe habe die Möglichkeiten für Selbstmordanschläge erörtert. Offenbar hätten die beiden Zellen rivalisiert, die Gruppe aus Sydney sei in den Vorbereitungen weiter fortgeschritten gewesen.

Ministerpräsident John Howard dankte auf einer Pressekonferenz den Sicherheitskräften. „Dieses Land war noch nie immun gegen einen möglichen Terroranschlag“, sagte er. Howard hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt, es gebe gezielte Hinweise auf mögliche
Terroranschläge. Das Parlament hatte kurz darauf ein Anti-Terrorgesetz im Eilverfahren verabschiedet, das der Polizei die Verfolgung
von Terrorverdächtigen erleichtert. Der Kontinent war bislang noch nicht Ziel eines größeren Terrorangriffs. Allerdings wurden australische Staatsbürger schon mehrfach Opfer von Anschlägen, vor allem im benachbarten Indonesien, wo seit 2002 Dutzende Australier bei Bombenexplosionen getötet wurden.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, AFP
Bildmaterial: REUTERS

 
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