Gibt es eigentlich Bananen auf Jamaika habe ich mich gefragt? Die Deutungen des Wahlergebnisses und die Kommentierungen zu den Schlussfolgerungen durch die großen politischen Parteien haben mich in der Tat an eine Bananenrepublik erinnert.
Es ist schon dreist mit welchem Alleinvertretungsanspruch sowohl Schröder als auch Merkel aus dem Wahlergebnis ableiten, nur sie könnten Kanzler bzw. Kanzlerin sein. Tatsächlich haben jeweils fast zwei Drittel der Wähler ihnen und ihrem Programm eine Absage erteilt. Wenn sich aus dem Wahlergebnis etwas ableiten läßt, dann wohl doch nur, dass weder Schröder noch Merkel das Vertrauen der Mehrheit der Bevölkerung haben.
Eine Lösung der scheinbar ausweglosen Lage kann nach meiner Ansicht nur darin bestehen, dass beide großen Parteien mit neuen Führungskräften antreten, die willens und in der Lage sind, Brücken über die Parteigrenzen hinweg zu bauen. Wulff und Merz, Beck und Steinbrück lassen zumindest hoffen, dass eine solche Lösung möglich ist.
Frau Merkel hat erklärt, sie wolle Deutschland dienen. Dieses Versprechen sollte sie einlösen und ihren Abschied nehmen. Schröder sollte ihrem Beispiel folgen. Nur so kann aus meiner Sicht Stillstand und Blockade überwunden werden.
Hermann Brandt
Es ist traurig, wenn im Dunstkreis um Frau Merkel eine Absage der Wähler an ihr Programm nicht akzeptiert wird.
Wenn die Mehrheit des Volkes sich für einem gemässigten Reformkurs im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft ausgesprochen hat, dann ist es mit den Grundsätzen der Demokratie nicht vereinbar, dass man Konstruktionen wie eine Minderheitsregierung andenkt. In Italien sind Minderheitsregierungen in der Vergangenheit stets versucht worden, sind aber immer an Erpressungen und Profilneurosen gescheitert. Es wundert mich, dass Italien es endlich verstanden hat und damit stabile Regierungen, ungeachtet derer Qualität, auf die Beine stellen kann und man in Deutschland juristische Klimmzüge versucht, um am Wille der Wähler vorbei, ein ausgelaufenes Modell vorzuschlagen.
Ich hoffe, Frau Merkel wird Dame genug sein, um nicht auf solche Rufe aus der Provinz zu hören.
Mit freundlichen Grüssen
Julius Franzot