Verbraucherschutz

Einheitliches Siegel für Ökoprodukte beschlossen

22. Mai 2001 Ein neues Siegel für Öko-Lebensmittel soll ab Herbst den Einkauf umwelt- und tierverträglich hergestellter Produkte einfacher machen. Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne), Einzelhandel, Lebensmittelindustrie und Ökolandbau-Verbände einigten sich am Montag auf ein einheitliches Kennzeichen nach EU-Standards.

Von einigen Öko-Verbänden geforderte, noch schärfere Kriterien wurden verworfen, um eine weite Verbreitung des Siegels zu erreichen. Eine Vielzahl von verschiedenen Bio-Gütezeichen hatte bislang Transparenz auf dem Markt verhindert. Das Emblem solle in einigen Wochen vorgestellt und das Siegel bis Ende des Jahres durch eine Rechtsverordnung gesetzlich abgesichert werden, sagte Künast. Freiwillig solle die Verwendung bereits vorher möglich sein.

Das Siegel soll zur Verbreitung von Bio-Lebensmitteln auch in Supermärkten und Fast Food-Ketten beitragen. Nach Künasts Plan soll der Marktanteil von Ökoprodukten von derzeit 2,5 Prozent auf 20 Prozent in zehn Jahren gesteigert werden.

Ohne Gentechnik, ohne Antibiotika

Nahrungsmittel mit dem neuen Ökosiegel dürfen keine gentechnisch veränderten Bestandteile haben. Die Tierhaltung muss flächengebunden sein und es ist verboten, die Tiere bei der Haltung anzubinden. Für Kleinbetriebe gibt es eine Ausnahme. Außerdem ist die Fütterung von Tieren, die unter natürlichen Lebens- und Witterungsbedingungen gehalten werden, mit Antibiotika oder Leistungsförderern untersagt. Die Betriebe werden regelmäßig kontrolliert. Künftig können auch Betriebe, die nur zum Teil auf Öko-Landbau umgestellt haben, etwa bei Rindern, das Siegel beispielsweise für ihre Fleisch- oder Milchprodukte erhalten.

Streit um die Kriterien

Um die Kriterien hatte sich die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL), die rund 40 Prozent aller deutschen Biobauern vertritt, mit den größten Anbauverbänden Demeter und Bioland gestritten. AGÖL hatte ein Qualitätssiegel mit härteren Auflagen gefordert als von der EU vorgeschrieben. Verbände wie Bioland oder Demeter würden ihre Handelszeichen auch weiter behalten, sagte Thomas Dosch von Bioland.

Zu dem geplanten Siegel auch für Lebensmittel aus der herkömmlichen Landwirtschaft würden noch Gespräche geführt, sagte Künast. Geplant sei ein Pilotprojekt im Fleischbereich. Als Mindeststandards seien ein Qualitätsmanagement vom Futtermittel bis zur Ladentheke sowie Zusatzkriterien wie der Verzicht auf gentechnisch veränderte Bestandteile denkbar. Die Ernährungsindustrie hatte sich gegen ein konventionelles Gütesiegel ausgesprochen.



Text: @tor, mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: ZB_Fotoreport

 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche