Hunzingers Honorare

Özdemir kassierte, Pieper und Wulff nicht

Von Susanne Scheerer

CDU-Politiker Wulff auf der Hunzinger-Website

CDU-Politiker Wulff auf der Hunzinger-Website

23. Juli 2002 Dietmar Bartsch hat gut reden. Der Bundesgeschäftsführer der PDS fordert von den Abgeordneten des Bundestages, sie sollten mögliche Geschäftsbeziehungen zu dem PR-Mann Moritz Hunzinger und anderen Lobbyisten offen legen. Die Wähler, so Bartsch, hätten ein Recht darauf, vor dem 22. September zu wissen, ob und inwieweit die Kandidaten Geschäftsbeziehungen unterhalten, aus denen andere Verpflichtungen als die des Gewissens erwachsen könnten.

Bisher sieht das Abgeordnetengesetz lediglich vor, dass Nebeneinkünfte dem Bundestagspräsidenten gemeldet werden müssen. Der darf sich in Schweigen hüllen. Die Öffentlichkeit erfährt also nicht, von wem welcher Volksvertreter ein Honorar erhalten hat, das die Grenze von 2500 Euro monatlich oder 15.000 Euro jährlich übersteigt.

Bartsch hat gut reden, weil die PDS - nach allem, was bislang bekannt ist - die einzige Partei ist, die weder Geld noch Einladungen von der Hunzinger Information AG aus Frankfurt bekommen hat und auch sonst für Lobbyisten und Kontaktvermittler relativ uninteressant sein dürfte.

Das Who´s Who der Politszene

Dafür sind in Hunzingers Kartei alle anderen im Bundestag vertretenen politischen Kräfte präsent: ob SPD oder CDU, ob Gelb oder Grün: Die Gästeliste von Hunzingers so genanntem politischen Salon liest sich wie das Who´s Who der etablierten deutschen Parteienlandschaft. Hunzingers Kapital sind seine weit reichenden Beziehungen.

Bei den 500 parlamentarischen Abenden und 140 politischen Salons, die er bisher veranstaltet hat, gab sich die Prominenz die Klinke in die Hand. Wirtschaftsbosse, Politiker und ausländische Staatsleute haben sich von dem Frankfurter beraten lassen - ob Software-König Bill Gates, Altkanzler Helmut Kohl, Außenminister Joschka Fischer oder Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi.

Zuletzt zu Gast am Main war Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne), zu deren „Ehre“ Moritz Hunzinger erst am 4. Juli einen politischen Salon abhielt. Es war der 143. Die Themenwahl wurde frei gestellt. Frau Künast erhielt für ihr Kommen eine Spende über 7.500 Euro für ihre Partei. Seither ist sie - wie so viele ihrer Politikerkollegen - auf der Internetseite des PR-Unternehmens Seite an Seite mit dem Chef abgelichtet.

Erinnerungsfotos von leidlicher Qualität

Für Moritz Hunzinger gehören solche Erinnerungsfotos, die einen gewissen dokumentarischen Wert besitzen mögen, offenbar zum Geschäft. Ob mit Künast oder Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) - an einem Schnappschuss von leidlicher Qualität kommt keiner vorbei. So war es auch am 11. Juni, als Hunzinger „zu Ehren“ seines Freundes Koch einen Politischen Salon in Frankfurt, dem Stammsitz der Firma, abhalten ließ. Es war der 142., und der hessische Regierungschef soll, so versichert sein Sprecher FAZ.NET, kein Honorar erhalten haben.

Das gilt auch für Kochs Parteifreund, den niedersächsischen CDU-Vorsitzenden Christian Wulff, der Ehrengast bei Veranstaltung Nummer 135 am 29. November 1999 in der Mainmetropole war. Wulff fuhr nach Auskunft seines Büros in Hannover ohne Honorar nach Hause.

Gesponsert von der Microsoft

Zu den Begegnungsstätten des Moritz Hunziger gehören auch so genannte Parlamentarische Abende, eine „fest etablierte Institution zur Darlegung bestimmter Unternehmensziele gegenüber Abgeordneten aller demokratischen Parteien, Mitgliedern der Bundesregierung und der Europäischen Kommission, den Spitzen aus Ministerialbürokratie und Verwaltung sowie weiteren Entscheidungsträgern aus staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen und Unternehmen“, heißt es in barockem Deutsch auf der Internet-Seite des Unternehmens. Veranstaltungsorte solcher Treffen zwischen politischen Entscheidungsträgern und wirtschaftlichen Interessensvertretern sind unter anderen Bonn und Berlin.

Am 26. Juni nahm der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir an einer solchen Podiumsdiskussion in der Hauptstadt zum Thema Informationsgesellschaft Deutschland - Anforderungen an eine zukunftsorientierte Bildungspolitik“ teil und erhielt von Hunzinger ein Honorar von 2000 Euro. Gesponsert wurde dieser Abend von der Microsoft GmbH mit Sitz in München. Das Unternehmen ließ unterdessen wissen, dass es Hunzingers Dienste nur noch bis Ende Juli in Anspruch nehmen will.

Pieper erhielt kein Honorar

Offenbar war es dennoch nicht die Regel, dass jeder Politiker für seine Anwesenheit, für die Teilnahme an Diskussionen oder aber für Vorträge entlohnt wurde. Die Generalsekretärin der FDP etwa, Cornelia Pieper, war Podiumsgast bei einem Parlamentarischen Abend, der unter dem Motto „Degussa meets Berlin“ am 28. November 2001 in der Hauptstadt stattfand. Wieder ging es um Bildungspolitik. Doch anders als Özdemir bekam Pieper kein Honorar für ihr Kommen, wie ihr Sprecher FAZ.NET mitteilte.

Unterdessen kämpft der Frankfurter PR-Berater nach Kräften gegen sein lädiertes Image. Es sei „nichts dubios oder mafiös“ daran, wenn er Politiker und Wirtschaft zusammenbringe, sagt Hunzinger. Dabei könne man Politikern nicht „die Zeit stehlen, ohne selbst auch etwas zu geben“ - es scheint, als träfe diese Binsenweisheit nicht auf alle Volksvertreter zu.

Text: @see

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