28. September 2006 Berlins Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei) will die abgesetze Mozart-Oper Idomeneo so schnell wie möglich wieder auf den Spielplan der Deutschen Oper Berlin bringen. Wir wollen die Bedingungen schaffen, damit eine Wiederaufnahme der Oper möglich wird, kündigte Flierl am Mittwoch an. Dafür solle in Berlin ein Konsens unter allen gesellschaftlichen Gruppen geschaffen werden, um die Freiheit der Kunst zu sichern. Die Inszenierung von Hans Neuenfels war wegen Angst vor islamischen Anfeindungen abgesetzt worden.
Zusammen mit Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und dem Ausländerbeauftragten Günter Piening sollten nun die Bedingungen geschaffen werden, damit die Inszenierung so schnell wie möglich wieder angesetzt wird, sagte Flierl. An der Initiative sollen sich auch die Kirchen und die islamischen Verbände beteiligen. Berlin will diese Inszenierung, betonte der Kultursenator. Am 3. Oktober solle zunächst auf einer Podiumsdiskussion an der Deutschen Oper über das Thema gesprochen werden. Bei der Absetzung der Oper sei Intendantin Kirsten Harms von einem Sicherheitsszenario ausgegangen, das nicht der realen Bedrohung entsprach. Man kann sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden. Vor dem Hintergrund der Informationen, die Harms erreicht haben, sei die Entscheidung der Intendantin jedoch nachvollziehbar gewesen.
Islamkonferenz für Idomeneo
Die erste deutsche Islam-Konferenz hat sich einmütig für die Wiederaufführung der abgesetzten Mozart-Oper Idomeneo an der Deutschen Oper Berlin ausgesprochen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte nach dem Treffen von jeweils 15 Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen mit Repräsentanten der rund 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime am Mittwoch in Berlin: Wir wünschen, daß möglichst bald diese Inszenierung aufgeführt wird. Schäuble erklärte, die Teilnehmer der Konferenz wollten dann die Oper in der Inszenierung von Hans Neuenfels gemeinsam anschauen (siehe auch: Islamkonferenz will gemeinsam Idomeneo besuchen).
Opernintendantin Harms hat die Absetzung der Oper abermals verteidigt. Sie habe mit ihrer Entscheidung lediglich auf Warnungen der Sicherheitsbehörden reagiert, sagte Harms gestern in der RTL-Sendung Stern TV. Berlins Innensenator Körting habe bei ihr persönlich mit einer großen Dringlichkeit interveniert. Ob die Aussetzung der Mozart-Oper für den kommenden Monat wieder aufgehoben werde, hänge davon ab, ob die Sicherheitsbehörden ihre Einschätzung revidieren, sagte Harms. Erforderlich seien auch eine neue Einschätzung und ein schlüssiges Sicherheitskonzept.
Die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein hat Harms den Rücken gestärkt. Die Entscheidung über die Absetzung habe nur aus der konkreten Situation vor Ort fallen können, sagte der Vorsitzende Holk Freytag am Mittwoch in Dresden. Jede Bewertung aus der Distanz sei fragwürdig. Harms habe zwar in subjektivem Ermessen, aber sicher aus ihrer Sicht verantwortungsvoll gehandelt. Es darf wohl auch gefragt werden, was denn das LKA in Berlin mit seinem Hinweis bezwecken wollte?, sagte Freytag, der auch Intendant des Staatsschauspiels Dresden ist.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa, AP, ddp
Bildmaterial: dpa
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