12. September 2004 Bei zahlreichen Explosionen und schweren Feuergefechten sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 22 Iraker getötet worden. Beim Angriff eines amerikanischen Kampfhubschraubers starben am Sonntag in Bagdad mindestens 13 Menschen, 55 wurden verletzt. Die Besatzung des Apache-Hubschraubers feuerte auf eine Menschenmenge, die um einen zerstörten Schützenpanzer tanzte, wie irakische Regierungsbeamte mitteilten. Unter den Toten ist Augenzeugen zufolge auch ein Reporter des arabischen Senders Al Arabija. Augenzeugen zufolge feuerten Aufständische Granaten und Raketen auf die stark befestigte Grüne Zone ab, wo sich unter anderem der Sitz der irakischen Übergangsregierung und die amerikanische Botschaft befinden. Allein bei Schießereien in der Innenstadt wurden nach offiziellen Angaben mindestens acht Iraker getötet.
Der Hubschrauber habe das brennende Fahrzeug zerstören sollen, sagte der amerikanische Major Phil Smith. Das diente der Sicherheit der Leute, die um ihn herum waren. Smith erklärte, der Schützenpanzer sei offenbar auf eine versteckte Bombe gefahren und explodiert. Dabei seien sechs Soldaten leicht verletzt worden. Ein Konvoi von mehreren Militärfahrzeugen verließ daraufhin die Straße, was von Anwohnern mit Allahu-Akbar-Rufen (Gott ist groß) gefeiert wurde. Auf dem zerstörten Panzer wurde eine schwarze Fahne der Extremistengruppe um den Jordanier Abu Mussab al Sarkawi angebracht.
Todesdrohung im Internet
Sarkawi soll Muslime in aller Welt aufgerufen haben, sich seiner Extremistengruppe El Tawhid wa El Dschihad im Irak anzuschließen. In einer Tonbandbotschaft, die ihm zugeschrieben wird und die in der Nacht zum Sonntag im Internet verbreitet wurde, hetzt er außerdem gegen die irakischen Kurden und Schiiten. Ihnen wirft er vor, sie hätten eine teuflische Koalition gebildet mit den Amerikanern, die das Kreuz tragen.
Ziel dieser Koalition sei es, die sunnitischen Muslime zu bekämpfen. Die Stimme auf dem Band ähnelte der früher Verlautbarungen, die El Sarkawi zugeschrieben worden waren. In der Botschaft mit dem Titel Wo sind die Ehrenhaften?, die am Abend des 11. Septembers veröffentlicht wurde, gibt es keinerlei Anspielung auf die Flugzeugattentate vom September 2001. Ein Anhänger El Sarkawis hatte gegenüber der arabischen Zeitung Al-Hayat drei Tage zuvor erklärt, der Jordanier, auf den die Amerikaner ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar ausgesetzt haben, habe keine direkte oder indirekte Verbindung zum (Terrornetzwerk) Al Qaida.
Wie in einem Gedicht
Abermals bedrohte El Sarkawi auf dem Tonband den irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi mit dem Tod. Auffällig ist der sprachliche Stil der Botschaft, deren Worte sich zum Teil reimen, wie bei einem Gedicht. Denn von der Wortwahl her benutzt der Sprecher eine eher einfache Sprache, die nicht von hoher Bildung zeugt. Die amerikanische Armee macht El Sarkawi für zahlreiche Anschläge im Irak verantwortlich. Er wird in der Umgebung der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falludscha vermutet. Die Zahl seiner Kämpfer wird auf rund 2000 geschätzt.
Die Truppen im Irak setzten ihre landesweite Offensive gegen Rebellenhochburgen fort. Über der Grünen Zone waren dicke schwarze Rauchwolken zu sehen. Einige Geschosse landeten amerikanischen Angaben zufolge innerhalb der Zone, Berichte über Opfer gab es jedoch nicht. In der Innenstadt kam es zu Schießereien, ein gepanzertes Fahrzeug der Armee ging in Flammen auf, wie Augenzeugen berichteten.
Im Westen Bagdads explodierte Augenzeugen zufolge eine Autobombe. Dabei seien zwei irakische Polizisten und ein zwölfjähriger Junge ums Leben gekommen. Im Westen der Hauptstadt wurde bei einem Angriff Bewaffneter ein Polizist getötet. Auch vor dem Gefängnis Abu Ghraib detonierte eine Autobombe. Dabei wurden drei Menschen verletzt.
Neue amerikanische Offensive
Die Streitkräfte setzten ihre Offensive gegen die westlich von Mossul gelegene Rebellenhochburg Tal Afar fort. Tausende Einwohner sind vor den Kämpfen geflohen. Die Ortschaft ist nach Ansicht der Armee ein Einfallstor für ausländische Kämpfer, die von Syrien aus in den Irak gelangen. Die Amerikaner räumten ein, einige Städte wie Falludscha oder Ramadi nicht unter Kontrolle zu haben. In der Nacht zu Sonntag flog die Luftwaffe auch wieder Angriffe auf Ziele in der Bagdader Rebellenhochburg Sadr City.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und Reuters
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS
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