20. September 2005 Nach dem Prognose-Debakel der deutschen Meinungsforscher zur Bundestagswahl hat das weltweit größte Umfrageunternehmen, Gallup, die Qualität der deutschen Institute in Frage gestellt.
Der Geschäftsführer der Niederlassung von Gallup in Deutschland, Gerald Wood, sagte, daß möglicherweise nicht alle Aspekte der Repräsentativität befolgt worden seien. Der Geschäftsführer von Infratest dimap, Richard Hilmer, verteidigte dagegen am Dienstag seine Zunft.
Wood: Wichtig, daß man da klar trennt
Zwar wolle er keine Kollegenschelte betreiben, sagte Wood der in Erfurt erscheinenden Thüringer Allgemeine. Aber in der Parteinähe deutscher Umfrageinstitute sehe er doch ein ernsthaftes Problem. Es sei aus demoskopischer Sicht sehr wichtig, daß man da klar trennt.
Eine pauschale Kritik an Meinungsforschern lehnte Wood indes ab. Wir glauben, daß die Menschen noch viel mehr gehört werden müßten. Gallup ist nach Angaben des Berichts das älteste Umfrageinstitut der Welt und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter.
Kurzfristige Verschiebungen
Mit der letzten Umfrage zehn Tage vor der Wahl habe man sehr richtig gelegen, sagte Infratest-Geschäftsführer Hilmer dagegen im Deutschlandradio Kultur. Die Wahlprognose für das linke Lager - SPD, Grüne und Linkspartei - sei fast eine Punktlandung gewesen. Auch mit der Vorhersage für das bürgerliche Lager - CDU und FDP - habe man insgesamt richtig gelegen.
Falsch sei nur das Verhältnis der Stimmanteile beider Parteien gewesen. Solche Abweichungen seien aber nicht überraschend: Mit solchen kurzfristigen Verschiebungen müssen wir in der Tat rechnen, weil es immer mehr Wähler und Wählerinnen gibt, die eben strategisch wählen.
Schwankende Grundstimmung
Die traditionelle Bindung bestimmter Milieus an Parteien habe zudem abgenommen, sagte Hilmer. Angesichts einer schwankenden Grundstimmung seien aber Vorhersagen schwierig.
So hätte es laut Hilmer die Genauigkeit nicht verbessert, wenn die letzten Prognosen erst kurz vor der Wahl erhoben worden wären: Dann können Sie noch so nah herangehen, dann müssen Sie schon mit dem Wähler in die Wahlkabine gehen.
Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: FAZ.NET