11. November 2007 Die Welle von Preiserhöhungen verschärft die Ungleichheit in Deutschland. Vor allem die Güter des täglichen Bedarfs werden teurer. Das trifft besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten: Der tägliche Einkauf belastet sie mit bis zu 4,5 Prozent höheren Ausgaben. Haushalte mit höherem Einkommen leiden dagegen weniger unter dem Preisanstieg. Dies haben Berechnungen der Universität Fribourg für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ergeben.
Gegenwärtig steigen die Preise in Deutschland in vielen Bereichen. Benzin und Diesel erreichten an den Tankstellen in der vergangenen Woche mehrfach neue Rekordwerte. Der Preis für einen Liter Super sprang auf 1,47 Euro. Auch Spielzeughersteller kündigten vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts höhere Preise an. Milch und Brot lässt sich der Handel schon seit dem Sommer besser bezahlen. Reis, Kaminholz und Gänsefleisch sollen ebenfalls teurer werden. Selbst die Brauereien setzen für Bier höhere Preise durch.
Zündstoff für Debatten
Dies alles trifft vor allem die untere Hälfte der Gesellschaft, wie die Berechnungen der Universität Fribourg belegen. Für Wohlhabende sind die täglichen Einkäufe heute 4,3 Prozent teurer als noch vor einem Jahr. Haushalte mit mittlerem oder geringerem Einkommen müssen hingegen 4,5 Prozent mehr zahlen. Der Grund: Ärmere kaufen relativ oft Produkte, die derzeit deutlich teurer werden. Ein schwacher Trost ist ihnen die moderate Entwicklung der Mieten in Deutschland. Die machen einen großen Teil der Ausgaben in Haushalten mit geringem Einkommen aus, dieser Posten hat sich zuletzt kaum verändert.
Der Preisanstieg liefert Zündstoff für die Debatte über die soziale Ungleichheit. In der vergangenen Woche hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung festgestellt, dass die Vermögen ungleicher verteilt sind als die Arbeitseinkommen. 20 Prozent der Deutschen besitzen 80 Prozent des Vermögens, knapp ein Drittel hat kein Vermögen oder ist verschuldet.
Die Bundesregierung will nicht eingreifen, um den Preissteigerungen Einhalt zu gebieten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) widersetzt sich einem von Automobil- und Wirtschaftsverbänden geforderten Benzingipfel, der eine Mäßigung der Erdölkonzerne bei den Benzinpreisen erreichen soll. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) zeigt keine Neigung, das Arbeitslosengeld zu erhöhen, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen.
Text: bern./mec.: F.A.S.
Bildmaterial: dpa
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