Ministerpräsidenten

„Rechtschreibreform wird nicht aufgehoben“

Keine Mehrheit für Reformgegner Wulff

Keine Mehrheit für Reformgegner Wulff

07. Oktober 2004 Die Ministerpräsidenten wollen nicht zur bewährten Rechtschreibung zurückkehren. „Es wird keinen Beschluß geben zur Aufhebung der Reform“, sagte Klaus Wowereit (SPD), Berlins Bürgermeister und neuer Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Dies könne man den 14 Millionen Schülern nicht zumuten, die seit 1998 an den Schulen in den neuen Schreibweisen unterrichtet werden.

Allerdings soll nach Ansicht der Ministerpräsidenten ein neuer „Rat für die deutsche Rechtschreibung“ strittige Fälle überarbeiten. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte, er sei ein absoluter Gegner der Reform. Doch auf der Konferenz fand sich keine Mehrheit für Wulffs Forderung, den offiziellen Einführungstermin an den Schulen zum 1. August 2005 aufzuschieben.

„Schlagzeilenträchtige Politik“

Die Kultusminister hatten bereits im Juni die Einsetzung eines „Rates für die deutsche Rechtschreibung“ angekündigt, der Mitte Oktober nach Abstimmung mit Österreich und der Schweiz offiziell bestätigt werden soll. Vorgesehen ist eine Mitwirkung von Sprachwissenschaftlern, Verlagen und Journalisten. Auch Kritiker sollen miteinbezogen werden. Die Fachleute sollen Teile der Reform überprüfen, darunter die Getrennt- und Zusammenschreibung, eingedeutschte Fremdwörter und einige Kommaregeln.

Auf ihrer Jahrestagung wollen sich die Ministerpräsidenten auch mit den Konsequenzen des von Niedersachsen gekündigten Vertrages über die Kultusministerkonferenz (KMK) befassen. Wulff erntete weiter Kritik, auch aus den eigenen Reihen. Die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) warf ihm „schlagzeilenträchtige Politik“ vor, die „in der Sache überhaupt nicht nützlich“ sei.

Wulff rechtfertige sein Vorgehen mit der Begründung, er wolle eine bessere und sparsamere KMK. „Wer eine insgesamt verstaubte Institution modernisieren will, der muß damit rechnen, daß dabei auch Staub aufgewirbelt wird“, kommentierte er die Kritik an der Vertragskündigung. Manches Landesministerium komme mit weniger Mitarbeitern aus als die KMK. In den Geschäftsstellen der KMK in Bonn und Berlin sind rund 250 Mitarbeiter beschäftigt, viele davon in Teilzeit.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb

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