Naher Osten

Hamas-Führung geht in den Untergrund

Bei der jüngsten Beerdigung  fehlte die Hamas-Führung

Bei der jüngsten Beerdigung fehlte die Hamas-Führung

26. August 2003 Die militärische und politische Führung der radikalen palästinensischen Hamas-Organisation ist angesichts drohender israelischer Liquidierungen in den Untergrund gegangen.

Nach Berichten aus Gaza vom Dienstag zeigte sich bei der Beerdigung zweier Hamas-Aktivisten am Montagnachmittag in der Stadt bereits keiner ihrer Anführer mehr in der Öffentlichkeit. Israels Armee hatte am vergangenen Donnerstag den politischen Hamas-Führer Ismail Abu Schanab und seine zwei Leibwächter mitten in der Stadt durch mehrere Raketen gezielt getötet. Armeekreise drohten, kein Mitglied der Hamas-Führung könne mehr vor der Liquidierung durch Israel sicher sein.

Alternative Führung gebildet

Bereits am Wochenende hatte der Hamas-Führer Abdel Asis Rantisi bekannt gegeben, Hamas habe eine alternative Führung etabliert, die aktiviert werde, wenn Israel alle amtierenden Hamas-Spitzen gezielt töten sollte. Nach der Tötung von zwei weiteren Hamas-Aktivisten und zwei Mitgliedern der Polizeitruppe „Force 17“ am Sonntag verteilte Hamas in Gaza ein Flugblatt, in dem örtlichen Hamas-Führern Anweisungen gegeben wurden, wie sie Angriffe Israel vermeiden könnten. Danach dürfen die Führungsmitglieder der Gruppe künftig keine Telefone mehr für Kontaktaufnahmen benutzen. Außerdem dürfen sie ihre eigenen Wagen nicht mehr fahren und wurden aufgefordert, Hauptstraßen zu vermeiden.

Israelische Tageszeitungen hatten nach dem palästinensischen Selbstmordanschlag von Jerusalem am 19. August in Jerusalem im Internet Fahndungslisten mit den Fotos der wichtigsten Hamas-Persönlichkeiten veröffentlicht. Die israelischen Geheimdienste erhoffen sich dadurch, die Hamas-Spitzen einschüchtern zu können, die sich zu dem Anschlag mit insgesamt 22 Toten bekannt hatten.

Zwei Palästinenser aus Krankenhaus entführt

Israelische Soldaten in Zivil haben unterdessen am Dienstag zwei militante Palästinenser aus einem Krankenhaus in Nablus im Westjordanland entführt. Die Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden waren am Freitag bei einer Schießerei mit israelischen Truppen verwundet worden. Die Soldaten drangen nach Angaben eines Arztes in die Intensivstation des Rafidijeh-Hospitals ein und trugen die Männer auf Bahren in einen wartenden Krankenwagen.

Der 27jährige Othman Junis und der 25jährige Fahid Bani-Odeh wurden nach Informationen aus Armeekreisen in ein Krankenhaus nach Israel gebracht. Junis wird die Beteiligung an mehreren Anschlägen vorgeworfen, bei denen mindestens zehn Menschen getötet wurden. Die beiden seien „Hardcore-Mitglieder“ der Al-Aksa-Brigaden gewesen, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Israel will Gefangene mit der Hisbollah austauschen

Ein Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hizbullah steht derweil nach den Worten des israelischen Außenministers Silvan Schalom kurz bevor. Die Hizbullah habe sich in den vergangenen Tagen bewegt, daher hoffe er sehr, daß die gefangenen Israelis bald nach Hause zurückkehren könnten, sagte Schalom am Dienstag im israelischen Radio. Die Verhandlungen über den Gefangenenaustausch dauern schon mehrere Jahre an.

Erst am Montag hatte Israel die Leichen von zwei Hizbullah-Kämpfern dem Roten Kreuz übergeben, das die Särge dann über die Grenze nach Libanon brachte. Aus israelischen Regierungskreisen verlautete, die Übergabe sei dank eines deutschen Vermittlers zustanden gekommen. Der Sender Channel One berichtete, der deutsche Geheimdienstkoordinator Ernst Uhrlau habe vor einigen Tagen den entführen israelischen Geschäftsmann Elhanan Tannenbaum in Libanon besucht und erklärt, dieser befinde sich in einem den Umständen entsprechenden Zustand. Tannenbaum war im Oktober 2000 von Hizbullah-Kämpfern verschleppt worden.

Die Hizbullah hält nach eigenen Angaben vier Israelis gefangen. Die schiitische, vom Iran geförderte Organisation verlangt die Freilassung von 13 libanesischen Gefangenen in Israel, darunter ihre Führungsmitglieder Mustafa Dirani und Scheich Abdul-Karim Obeid. Israel hatte Hizbullah-Führer Obeid 1989 entführt, Dirani 1994. Beide sollten als Faustpfand für den israelischen Kampfpiloten Ron Arad dienen, der 1986 über Libanon abgeschossen und von Diranis Kämpfern gefangen genommen worden war. Über sein Schicksal ist nichts bekannt.

Text: AP, dpa
Bildmaterial: AP

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