05. März 2003 Ein weiterer der drei am Wochenende in Pakistan festgenommenen Al-Qaida-Terroristen ist offenbar identifiziert worden. Er handelt sich um Mustafa Achmed el Hawsawi, der die Finanzbeschaffung für die Anschläge am 11. September vorbereitet haben soll.
Bei der Aktion pakistanischer und amerikanischer Polizeikräfte war am Samstag Khalid Scheich Mohammed mit zwei weiteren Männern im Schlaf in einem Haus in Rawalpindi überrascht worden. El-Hawsawi versuchte offenbar, seine Identität zu verschleiern, und gab sich als Somali aus. Es war uns nicht gleich klar, um wen es sich bei ihm handelt und wie wichtig er war, sagte ein Regierungsangestellter amerikanischen Medien.
El-Hawsawi nutzte nach Angaben von amerikanischen Ermittlern offenbar Bankkonten in Dubai, um den Anführer der Attentäter vom 11. September, Mohammed Atta, mit Bargeld zu versorgen. Im Jahr 2000 überwies er unter Angabe unterschiedlicher Namen Geld an vier Flugzeugentführer. Im Juni 2001 zog er in die Vereinigten Arabischen Emirate, von wo aus er Überweisungen für Ramzi Binalshibh tätigte, den Cheflogistiker der Hamburger Terrorzelle. Dieser war im September ebenfalls in Pakistan festgenommen worden. Nach Angaben des Anwalts Jean-Charles Brisard in Washington überwies el-Hawsawi eine halbe Million Dollar an Al-Qaida-Zellen in Deutschland und den Vereinigten Staaten.
Briefe von Usama bin Ladin
Nach Medienberichten in Pakistan und den USA waren die Fahnder Mohammed, der Nummer Drei im Terrornetzwerk Al Qaida, schon länger auf der Spur. Die Ermittlungen führten demnach in Quetta im Westen Pakistans am 13. Februar zur Festnahme von Mohammed Rahman. Er ist der Sohn des blinden Scheichs Omar Abdel Rahman, der in den USA wegen Beteiligung am ersten Anschlag auf das World Trade Center in New York 1993 eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Diese Festnahme habe die Ermittler auf die Spur in Rawalpindi gebracht.
Die Ermittler fanden bei Mohammed Briefe und Gegenstände, die darauf hindeuteten, dass Usama bin Laden noch am Leben sei und sich in der Region um Pakistan aufhalte. Aus dem Umfeld der Ermittler verlautete, Mohammed habe im Verhör ausgesagt, mit Bin Laden mittels eines komplizierten Botensystems kommuniziert zu haben. Teilweise habe Bin Ladin per E-mail Kontakt zu Boten aufgenommen, die dann persönlich Briefe bei den Adressaten abgegeben hätten.
Deutschland prüft Auslieferungsinteresse
Mohammed und El-Hawsawi wurden inzwischen an die Vereinigten Staaten ausgeliefert. Über die Frage, ob Deutschland ein Auslieferungsinteresse hat, sei noch nicht entschieden, hieß es beim Bundesjustizministerium. Zunächst müsse der Generalbundesanwalt Fakten zusammentragen, um über ein Ermittlungsverfahren gegen Mohammed zu entscheiden. Dieses wäre die Grundlage für ein Auslieferungsersuchen.
Am Dienstag hatte Frankreich einen internationalen Haftbefehl gegen Mohammed erlassen. Nach Erkenntnissen der französischen Justiz hat er den Befehl für den Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba gegeben, bei der vor knapp einem Jahr 19 Menschen starben, darunter 14 deutsche Touristen. Das Justizministerium in Berlin erklärte hingegen, zu den Gründen für den internationalen Haftbefehl gebe es noch keine verlässlichen Hinweise.
Text: @sat, treu
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