“Zusammengeschlagen, gedemütigt“: Masri

CIA-Affäre

Deutsche Behörden an Masri-Entführung beteiligt?

In der Debatte um die Geheimflüge der CIA und mutmaßliche Folterungen von Terrorverdächtigen wächst auch der Druck auf Berlin. Was wußten deutsche Minister und Behörden? Führten Informationen des BND und nicht eine Namensverwechselung zur Entführung des Deutsch-Libanesen Masri?

Lesermeinungen zum Beitrag

09. Dezember 2005 15:55

Deutsche Behörden an Masri-Entführung beteiligt?

Sergej Schukov (Resident7)

Das Drama dieser physischen und psychischen Misshandlungen, die sich bis zum 28. Mai 2004 hinzogen, müsste mehrere Minister der Regierung Schröder vor ein Strafgericht bringen - wenn der Norddeutsche "Sam" Bundesbeamter ist oder im Auftrag und mit Wissen der deutschen Regierung arbeitet. Dafür sprechen mehrere Anhaltspunkte, auf die der Anwalt des deutschen Gefolterten im Gespräch mit dieser Redaktion hinweist. Auf die Frage, ob Herr el-Masri den Foltergesandten wiedererkennen würde, antwortet Rechtsanwalt Manfred Gnjidic aus Ulm mit einem klaren "Ja". Die Bedeutung des deutschen Unbekannten ist Gnjidic bewusst: "Sam", sollte er Bundesbeamter sein, gehört zu Dienststellen, die der politischen Verantwortung des heutigen Berliner Außenministers Steinmeier unterstanden. Zum Zeitpunkt der Tat war Steinmeier (SPD) im Bundeskanzleramt für die deutschen Geheimdienste zuständig, u.a. für den BND. Den BND verbindet mit den afghanischen Amtskollegen und mehreren Ministern des Kabuler Regimes eine langandauernde Arbeitsbeziehung: Wie ein deutscher BND-Spezialist urteilt, handelt es sich bei prominenten Regierungsvertretern in Kabul um "Einflussagenten, wenn nicht (um) Agenten des Bundesnachrichtendienstes". Zum Zeitpunkt der an el-Masri begangenen Folter und der Beihilfe des Deutschen "Sam" waren diese Personen in Amt und Würden.

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09. Dezember 2005 10:53

Skandalös?

Lukas Werth (lukaswerth)

Es ist nicht einfach, als Deutscher Singers Beitrag zu kommentieren, denn die deutsche Geschichte legt uns sicher eine besondere Verantwortung auf. Doch kann diese Verantwortung ein Verbot jeglicher Kritik an solchen Haltungen und Statements bedeuten, die sich mit einer jüdischen Identität identifizieren? Das würde im Grunde doch bedeuten, fortzufahren, in den Kategorien zu denken, die zum Holocaust führten, nur unter umgekehrten Vorzeichen. Nein, uns ist eine Verantwortung bezüglich der Natur des Unrechts aufgelegt worden, die wir jedem gegenüber ernst nehmen müssen, und so können wir uns nicht einfach von Singer maßregeln lassen. Es gibt hier keine diplomatische Lösung, keinen dritten Weg: Singer unterstützt de fakto Folter und Mord, schweigen wir oder stimmen zu, tun wir das auch. Lassen wir Folter und Mord, Verletzung von Menschenrechten für irgendjemanden zu, verraten wir wirklich die uns durch unsere Geschichte auferlegte Verantwortung.

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09. Dezember 2005 09:30

Bemerkenswert

Ansgar Delbeck (ansgardelbeck)

Ich halte es durchaus für bemerkenswert, daß ausgerechnet der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses eine Geisteshaltung zeigt und offen formuliert, bei der es jedem geschichtsbewußten Deutschen eiskalt den Rücken runterläuft: So fing und fängt es - offensichtlich wohl immer - an!

"Wehret den Anfängen" dieser Art der Selbstgerechtigkeit und kritiklosen Rechtfertigung staatlicher Willkür!

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