10. September 2002 Wegen seines kaufmännisch untypischen Geschäftsgebarens steht der Geschäftsführer einer Handelsfirma in Schleswig-Holstein und Hamburg im Verdacht, gewaltbereite islamistische Fundamentalisten einzuschleusen. Nach FAZ.NET-Recherchen handelt es sich um den im Handelsregister als Geschäftsführer eingetragenen 59-jährigen Diplom-Chemiker Abul-Matin Tatari.
Mit seiner Schleusertätigkeit habe T. zum Heiligen Krieg gewaltbereiter Islamisten beitragen wollen, so die Anschuldigung von Genberalbundesanwalt Kay Nehm, der die Räume der Firma am Dienstagmorgen von Polizei und Bundesgrenzschutz durchsuchen ließ.
Zudem bestehe der Verdacht, dass der Deutsch-Syrer, seine Ehefrau und die beiden Söhne Kontakt zu Personen hätten, gegen die im Zusammenhang mit den Terroranschlägen des 11. September ermittelt werde. Gegen die Verdächtigen wird nach Nehms Angaben bereits seit Mitte Juli ermittelt.
Handel mit Porzellan und Textilien
Das Ermittlungsverfahren sei wegen des Anfangsverdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eingeleitet worden, so die Generalbundesanwaltschaft. Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten unter dem Deckmantel der Handelsfirma eine kriminelle Vereinigung gegründet hätten, um islamistische Fundamentalisten nach Deutschland zu schleusen. Damit hätten sie gegen das Ausländergesetz verstoßen, sich wegen Urkundenfälschungen und Geldwäsche strafbar gemacht. Die Beschuldigten würden derzeit vernommen.
Die Geschäftsgebaren deuteten auf eine organisierte Schleusertätigkeit der Beschuldigten hin, hieß es. Durchsucht wurden Filialen der Firma Tatex Trading GmbH in Rethwisch, Fitzbek, Moordiek und Neumünster. Auch in Hamburg soll ein Objekt durchsucht worden sein. Laut eigener Anzeigenwerbung bereibt das Unternehmen einen Porzellangroßhandel für das Hotel- und Gaststättengewerbe und unterhält einen Vertrieb für Herrenbekleidung. Laut Eintrag im Bundeanzeiger wurde die GmbH bereits 1978 in Hamburg gegründet. 1994 wurde der Firmensitz von Hamburg nach Moordiek verlegt.
Bundesanwalt sucht Beweise für internationale Verbindungen
Der Generalbundesanwalt will beweisen, dass die Beschuldigten Mitglieder in einer in Deutschland bestehenden kriminellen Vereinigung sind und deren Einbindung in ein internationales Netzwerk gewaltbereiter islamistischer Fundamentalisten, insbesondere im Zusammenhang mit finanziellen und sonstigen logistischen Unterstützungshandlungen belegen.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war der ebenfalls aus Syrien stammende Hamburger Geschäftsmann Mamun Darkazanli ins Visier des Bundeskriminalamtes geraten. Der Kaufmann aus Hamburg wurde verdächtigt, in Verbindung mit Osama bin Laden zu stehen. Generalbundesanwalt Kay Nehm sah sich aus rechtlichen Gründen gehindert, ein eigenes Ermittlungsverfahren gegen Darkazanli zu führen.
Text: @kre
Bildmaterial: dpa
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