12. August 2005 In der Union ist vor der Wahl einiges in Bewegung geraten: In Berlin steht erstmals eine Frau an der Spitze der Landesliste - eigentlich eine grüne Tradition. In der bayerischen CSU schlägt die Stunde der jungen Politiker, in Sachsen werden einige frühere Bürgerrechtler nicht mehr aufgestellt.
Baden-Württemberg
Die CDU in Baden-Württemberg setzt im Bundestagswahlkampf auf bekannte Gesichter: Spitzenkandidat ist der frühere Innenminister und CDU-Bundesvorsitzende Wolfgang Schäuble. Auf dem zweiten Listenplatz folgt CDU-Generalsekretär Volker Kauder, Platz drei ist für die Kultusministerin Annette Schavan vorgesehen.
Nicht mehr antreten wird der frühere Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion und ehemalige Entwicklungshilfeminister Hans-Peter Repnik. In den Bundestag strebt auch der Landesvorsitzende der Jungen Union, Thomas Bareiß.
Bayern
In der CSU hat die Stunde der jungen Generation geschlagen: Mit Unterstützung der Parteispitze konnten sich junge Politiker in Bayern sowohl bei der Aufstellung der Direktkandidaten in den Wahlkreisen als auch auf der Landesliste durchsetzen. So folgte in Passau der 30 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer auf Klaus Rose, der früher Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium war. Auch auf eine stärkere Berücksichtigung von Frauen wurde geachtet; die ersten zehn Plätze teilen sich fünf Männer und fünf Frauen, darunter die 27 Jahre alte Dorothee Mantel.
Der ehemalige Postminister Wolfgang Bötsch ist der Bekannteste unter den Älteren in der CSU, die sich nicht mehr um ein Mandat bewerben. Auf die ersten zehn Plätze sind vier Politiker gesetzt, die als ministrabel in einem Kabinett Merkel gelten: der Parteivorsitzende und Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, der bayerische Innenminister Günther Beckstein und - mit Außenseiterchancen - der stellvertretende Parteivorsitzende und Gesundheitsexperte Horst Seehofer.
Berlin
In Berlin zieht die CDU erstmals in ihrer Geschichte mit einer Frau als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus Monika Grütters gilt als Befürworterin einer schwarz-grünen Koalition in Berlin.
Auf Platz zwei der Liste wurde der CDU-Landesvorsitzende und bisherige Europa-Abgeordnete Ingo Schmitt gewählt. In aussichtsreichen Wahlkreisen treten der frühere Bürgermeister-Kandidat Frank Steffel und der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen direkt an.
Brandenburg
In Brandenburg führt die 32 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche die Landesliste an. Die Wissenschaftspolitikerin aus Luckenwalde gehört dem Bundestag seit 1998 an und wurde von Edmund Stoiber in sein Kompetenzteam berufen, als er 2002 Kanzlerkandidat war. Dort war Frau Reiche für die Themen Frauen und Familie zuständig.
Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen, Vorsitzender der Landesgruppe Brandenburg, und Andrea Voßhoff. Die frühere brandenburgische Justizministerin Barbara Richstein setzt hingegen allein auf ein Direktmandat.
Bremen
Listenführer in Bremen ist der CDU-Landesvorsitzende Bernd Neumann. Der 63 Jahre alte Pädagoge ist sei 1991 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Platz zwei in der Hansestadt nimmt der Bremerhavener Bürgerschaftsabgeordnete Bernd Ravens ein, Platz drei Michael Teiser.
Hamburg
In der CDU Hamburg steht auf Listenplatz eins der Abgeordnete Dirk Fischer, der auch Landesvorsitzender ist. Zwei seiner Bundestagskollegen, Jürgen Klimke und Antje Blumenthal, folgen ihm auf der Liste nach. Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe tritt nicht mehr an.
Hessen
In Hessen würde ein Wahlsieg der Union das Gesicht der CDU-Fraktion im Landtag verändern. Denn auf den Spitzenplatz der Landesliste, den lange Zeit der frühere Bundesminister für Forschung und Technologie Heinz Riesenhuber innehatte, wurde der Fraktionsvorsitzende Franz Josef Jung gesetzt. Der 56 Jahre alte Jurist ist ein Vertrauter des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Der will Jung in Berlin in der ersten Reihe sehen, also etwa als Minister. Riesenhuber nimmt nun Platz zwei ein.
Mecklenburg-Vorpommern
Prominentester Kandidat in Mecklenburg-Vorpommern ist die CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Auf Listenplatz zwei steht der bisherige Landesvorsitzende Eckhardt Rehberg, der aus dem Landtag in den Bundestag wechseln will. Er tritt in Rostock als Direktkandidat an. Wieder dabei ist auch Ulrich Adam, der seit 1990 den Wahlkreis in Ostvorpommern immer wieder direkt gewonnen hat.
Niedersachsen
In Niedersachsen wird die CDU-Landesliste wieder von dem Außenpolitiker Friedbert Pflüger aus Hannover angeführt. Auf Platz zwei folgt Eckart von Klaeden aus Hildesheim, der sich im Visa-Untersuchungsausschuß einen Namen gemacht hat, als dritte folgt Martina Krogmann aus Stade.
Nordrhein-Westfalen
Mit ihrem Spitzenkandidaten setzt Nordrhein-Westfalens CDU im Wahlkampf auf eine bewährte Kraft: Bundestagsvizepräsident Norbert Lammert. Seit 1980 gehört der 57 Jahre alte Bochumer dem Bundestag an, bis 1998 war er in wechselnden Ressorts als Parlamentarischer Staatssekretär tätig. Auf Platz zwei wählten die Delegierten Wolfgang Bosbach, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU.
Platz drei nimmt Ilse Falk aus Wesel ein, die zweite Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion. Auf den Spitzenplätzen der Landesliste sind mit Ronald Pofalla, Norbert Röttgen, Peter Hintze und Hildegard Müller zahlreiche Vertraute Angela Merkels positioniert. Nicht mehr auf der Liste steht CDU-Finanzfachmann Friedrich Merz, der 2002 noch Spitzenkandidat war. Er verzichtete auf einen Listenplatz und kandidiert nun direkt in seinem Wahlkreis im Hochsauerland, den er 2002 mit großer Mehrheit gewonnen hatte.
Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz ist die Landesliste bis Platz 14 mit der von 2002 identisch. Die Spitzenplätze der bisher 13 Bundestagsabgeordneten des Landes nehmen wieder Landesgruppen-Vorsitzender Joachim Hörster, die stellvertretende Fraktionsvoritzende Maria Böhmer und ihr Vorgänger Peter Rauen ein.
Saarland
Im Saarland ist Ministerpräsident Peter Müller erstmals Spitzenkandidat. Er behauptet zwar, daß damit keine Entscheidung über einen Wechsel nach Berlin getroffen sei, doch wird damit gerechnet, daß Müller bei einem Wahlsieg der Union ein Ministeramt übernehmen wird. Von den drei Abgeordneten, mit denen die Saar-CDU bisher im Bundestag vertreten war, strebt nur Peter Altmaier, Vorstandsmitglied der Bundestagsfraktion, wieder nach Berlin
Sachsen
Daß an der Spitze der Landesliste der CDU in Sachsen der Dresdner Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz steht, ist eine Besonderheit. Während andere ehemalige DDR-Bürgerrechtler in der CDU gar nicht mehr aufgestellt werden, stand die Spitzenposition von Vaatz nie in Rede.
Während die CDU auf Platz zwei und drei mit Michael Luther aus Zwickau und der Sorbin Maria Michalk aus Radibor auf zwei Politiker gesetzt hat, die schon dem Bundestag angehören, versucht sie mit dem vierten und fünften Platz neue Akzente zu setzen: Auf diesen Positionen treten Bahnrad-Weltmeister Jens Lehmann aus Leipzig und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, Michael Lohse, an.
Sachsen-Anhalt
Die CDU in Sachsen-Anhalt zieht mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Christoph Bergner als Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf. Auf Platz zwei und drei folgen die Bundestagsabgeordneten Uda Heller aus Sangerhausen und Bernd Heynemann aus Magdeburg.
Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein hat die CDU den Vorsitzenden der Landesgruppe im Bundestag, Wolfgang Börnsen, auf Platz eins der Landesliste gewählt. Er bekam 193 von 294 abgegebenen Stimmen. Auf Platz zwei folgt Börnsens Stellvertreter Ole Schröder.
Den dritten Platz belegt die Bundestagsabgeordnete Anke Eymer aus Lübeck. Sie ist die einzige Frau unter den elf Wahlkreis-Direktkandidaten. Nicht mehr dabei sind Peter-Harry Carstensen, jetzt Ministerpräsident in Kiel, und Dietrich Austermann, jetzt Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein.
Thüringen
In Thüringen kandidiert auf Platz eins der Liste Manfred Grund. Der Abgeordnete aus dem Eichsfeld errang 2002 als einziger CDU-Kandidat in Thüringen ein Direktmandat. Auf Platz zwei wurde Finanzexpertin Antje Tillmann aus Erfurt gewählt und auf Platz drei Bernward Müller aus dem Saale-Holzland-Kreis. Platz vier besetzt die frühere Familienministerin Claudia Nolte.
Text: F.A.Z. / FAZ.NET
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