19. Juli 2003 Der britische Premierminister Tony Blair hat den mysteriösen Tod eines für die Regierung tätigen Biowaffenexperten als furchtbare Tragödie bezeichnet. Gleichzeitig kündigte Blair eine unabhängige Untersuchung zu den Umständen des Todes von David Kelly an.
Er hat für unser Land in der Vergangenheit sehr viel Gutes getan, und ich bin sicher, dies wäre auch in Zukunft so gewesen. Jetzt wird es eine angemessene und unabhängige Untersuchung geben, die, wie ich glaube, die Fakten feststellen wird, sagte Blair am Samstag in Tokio.
Nach Angaben der Polizei hat der 59 Jährige Berater des Verteidigungsministeriums Selbstmord begangen. Die Polizei erklärte am Samstag, sie habe nahe der Leiche ein Messer und einige Schmerztabletten gefunden. Die Art der tödlichen Verletzung lasse auf die Verwendung des sichergestellten Messers schließen, erklärte Polizeisprecher David Purnell. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es keine Anzeichen, daß eine dritte Partei in den Tod Kellys verwickelt sei, fügte er hinzu. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.
Krise der britischen Regierung verschärft sich
Der Tod Kellys hat die derzeitige Krise in der britischen Regierung noch verschärft, die sich wegen der bislang nicht aufgetauchten Massenvernichtungswaffen im Irak mit dem Vorwurf der Täuschung konfrontiert sieht. Der 59-jährige ehemalige UN-Waffenexperte hatte in den vergangenen Tagen unter großem Druck gestanden. Nach Vermutung von Verteidigungsminister Geoff Hoon, in dessen Ministerium Kelly arbeitete, war er die Hauptquelle für einen BBC-Bericht, wonach die britische Regierung ein Dossier über die vom Irak ausgehende Gefahr aufgebauscht haben soll. Kelly hatte das bestritten. Am Dienstag war er von einem Untersuchungsausschuß des Unterhauses vernommen worden.
Blair mahnte von Politikern wie Medien jetzt Respekt und Zurückhaltung an. Kellys Frau Janice sagte, ihr Mann sei sehr, sehr gestreßt und unglücklich über das gewesen, was passiert ist, und das war wirklich nicht die Welt, in der er leben wollte. Es gab aber bereits am Freitag keinen Zweifel daran, daß es sich bei dem Toten um den Wissenschaftler handelte.
Opposition verlangt Abbruch der Asien-Reise
Die Opposition verlangte, Blair, der sich in Tokio befand, solle seine Asien-Reise abzubrechen und nach Hause zurückzukehren. Spekuliert wurde auch darüber, daß die Abgeordneten des Unterhauses aus der gerade begonnen Sommerpause zurückgerufen werden könnten.
Auf die Frage, ober er nach dem Tod Kellys an Rücktritt denken, reagierte Blair am Samstag in Tokio mit Schweigen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi im japanischen Hakone schwieg er auch zu Fragen, die mögliche Rücktrittsangebote seines Beraters Alastair Campbell oder von Verteidigungsminister Geoff Hoon betrafen.
Britische Zeitungen kritisierten am Samstag alle Beteiligten an den Vorgängen - die Regierung, den außenpolitischen Ausschuß des Unterhauses und die BBC, die sich nicht dazu geäußert hatte, ob Kelly die Quelle für den Bericht der Rundfunkanstalt war oder nicht. Die Financial Times schrieb: Niemand, der an den Ereignissen, die zum Tod David Kellys führten, beteiligt war, steht in gutem Licht da - außer Kelly selbst."
Text: AFP, dpa, AP
Bildmaterial: PA
Machtkampf in der SPD: Bauern, Bonzen und ![]()
Ein deutscher Lebenslauf: Die Wende von der anderen Seite
Überraschender Vorstoß zu Finanzmarktsteuer spaltet G20
Verkürzter Zivildienst: Wer sorgt für die Alten?
Repräsentantenhaus stimmt Gesundheitsreform zu
Die Idee, die Mauer zu Geld zu machen