
Wäre es nicht auch Ehrensache gewesen, das Amt eines Volksvertreters nach der Wahl auch anzunehmen und ernsthaft wahrzunehmen?
Er hat sich doch zur Wahl gestellt. DieWähler, die ihn mit ihrer Erststime gewählt haben, wollten doch ihn als ihren Vertreter haben und nicht einen irgendeinen Nachrücker von der Liste. Vielleicht hätten Sie sogar einen ganz anderen gewählt, wenn sie gewußt hätten, daß "ihr" Schröder gleich wieder abspringt in die Wirtschaft und dann steuerlich mit den Einkünften daraus auch noch in die Schweiz.
Schröder fühlt sich nach seinen eigenen Aussagen und sicherlich völlig zu Recht noch viel zu jung, um auszuruhen.
Das Amt eines Bundestagsabgeordneten ist nicht nur eines der höchsten Ämter in einer Demokratie, sondern auch mit so vielen Anforderungen und soviel Arbeit verbunden, daß es einen gestandenen Politiker, auch wenn er noch voll im Saft steht, doch voll ausfüllen kann.
Jürgen Busch, Hamburg

Ich gönne Herrn Schröder seinen Job, für den er nun möglicherweise einen Euro pro Sekunde erhält. Als Freund von Putin hat er ja auch geschickt den Krieg in Tschetschenien nicht angesprochen. Alles hat seinen Preis. Oder?

Das gehört sich einfach nicht. Basta. Es ist nur würdig und recht, daß nunmehr der von Schröder einst gewünschte Aufstand der Anständigen Platz greift.
Dabei sollte es meiner Meinung nach nicht so sehr ums Geld und deutsche Befindlichkeiten gehen; wie betrachten aber Polen und die baltischen Staaten, die sich allemal auf die Füße getreten fühlen, ein solch dreistes Schauspiel? Müssen die nicht den Eindruck gewinnen, die politische Führungsriege Deutschlands mißachtet um des persönlichen Vorteils willen ihre Interessen?
Allein um diesen Eindruck überhaupt nicht entstehen zu lassen, hätte Schröder den Job nicht annehmen dürfen.
Auf diese Weise verspielt derjenige, der mit seiner umfragen- und damit stimmungsorientierten Wischiwaschi-Politik schon das Vertrauen der Bundesbürger in ihr politisches System nachhaltig beschädigt hat, auch das außenpolitische Vertrauen der Bundesrepublik Deutschland.
Da ist es allemal besser, wenn er nur seiner Doris auf die Nerven geht.

Nun, warum ist es eigentlich einem Christian Wulff erlaubt, unbeschadet für seinen Ruf ein Aufsichtsratsmandat bei VW zu halten?
Klare Antwort: Weil hier angeblich nationale bzw. niedersächsische Interessen vertreten werden.
Und was vertritt ein Aufsichtsratsmitglied eines internationalen Projektkonsortiums das nicht einer der beteiligten Firmen angehört?
Ebenso klare Antwort: Neben seinen legitimen eigenen Interessen (z.B. beruflich tätig zu sein) mit Sicherheit vorrangig ebenfalls nationale Interessen. Im Fall von Gerhard Schröder mit Sicherheit deutsche Interessen.
Ist das Pipeline-Projekt von für Deutschland von nationalem Interesse?
Diese Frage dürfte wohl jeder bejahen.
Gibt es einen besseren neutralen Vertreter deutscher Interessen für diese Position, der nicht aus der Industrie kommt und daher nationale Interessen vor Unternehmensziele setzt?
Ehrlich gesagt, mir fällt sonst keiner ein.
Also Gerhard, Go!

Der Beratervertrag mit Ringier ist ja noch im Rahmen des Erträglichen. Aber die Tatsache, dass der Aufsichtsratsjob ebenfalls bei einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz sein soll, muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. Unser lieber Ex-Kanzler, der deutsche Unternehmer (die in ihrem Leben sicher mehr Jobs für andere geschaffen haben als er in seiner ganzen politischen Laufbahn) als Vaterlandsverräter darstellt, weil diese sich überlegt haben, aus Steuergründen in die Schweiz auszuwandern, dieser Herr kann es nicht einmal anstandshalber abwarten, schnellstmöglich ebendort einen Grossteil seines zukünftigen Einkommens zu verdienen - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch dort zu versteuern.
Ich hätte generell nichts dagegen, dass Menschen dort arbeiten und Geld verdienen, wo sie wollen. Nur diese scheinheilige Pseudo-Empörung in Amt und Würden, die dieses Mal so einfach demaskiert wurde, finde ich unsäglich. Fehlt nur noch, dass Herr Müntefering nach seiner politischen Laufbahn von einem Hedgefonds angeheuert wird.

Ich möchte überhaupt nicht wissen, wieviele der aktiven oder ehemaligen mehr oder weniger hochrangigen Politiker in irgendwelchen Aufsichtsräten sitzen und politisch im Interesse dieser Posten handeln.
Ich möchte auch nicht wissen, wieviele Lobbyisten mit Politkern verbändelt sind und dort für ihre Interessen - in welcher Form auch immer - bezahlen.
Es sind doch alles nur menschliche Charaktere, die nicht dumm genug sind, um ihre Vorteile zu sichern. Herrn Schröder geht es da nicht anders. Das scheinheilige Geschreie ist völlig überflüssig und stört den kontinuierlichen Arbeitsablauf. Korruption sollte erlaubt sein, denn ohne läuft nichts. Wer gut schmiert, der gut fährt - wer würde da auf das Ölkännchen verzichten?
Außerdem ist es doch nicht zu beanstanden, wenn die deutschen Interessen an diesem Gasgeschäft hochrangig vertreten werden. Wir sollten nicht auf unseren Mann in der Spitze des Geschäfts verzichten!

Als Erdgasverbraucher plädiere ich dafür, den Ball erst einmal flach zu halten (um es mit dem Ehrenfußballer Schröder zu formulieren).
Es ist durchaus in unserem Interesse, dass ein prominenter Staatsmann und Freund Putins sich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt um die regelmäßige Erdgasversorgung aus Russland nach Deutschland verantwortlich mit kümmert.
Nicht im Interesse der Verbraucher wäre es, wenn hierfür exorbitante Summen an Schröder gezahlt würden (die würden nämlich auf die Preise umgelegt); davon ist aber bisher nicht die Rede.
Also erst einmal abwarten.

Man kann Herrn Schröder viel unterstellen, aber eben nicht Dummheit oder Kurzsichtigkeit. Dass ein Kaliber wie er, der mit den Wirtschaftsbossen auf gleicher Stufe seht, sich einen adäqauten Job aussuchen wird, war doch vorherzusehen. Alles andere wäre sehr naiv. Er weint der Politik eben keine Träne nach, jetzt ist er in der Wirtschaft und ein freier Mann. Und einer wie er, hat einen erheblichen Marktwert.
Bei dem Ruf nach Ethik und Moral sollten sich vor allem die Politiker selbst erst einmal in den Spiegel schauen. Sie sind es nämlich, die permanent dagegen verstoßen. War es nicht unser Ex-Außenminister Fischer, der seinerzeit den Bundestagspräsidenten Stücklen "...ein Arschloch" nannte und das im Bundestag? Gesichtsverlust zuzufügen, ist das probate Mittel der Diskreditierung in unserer Gesellschaft. Weiter so Deutschland!
Und jetzt, wo Schröder sich einen adäquaten Job sucht kann das die millimeterpapierzeichnende, deutsche Krämerseele mit dem angeborenen Gen-Defekt von Neid und Mißgunst nicht vertragen? Vor allem diejenigen Politiker, die ohnehin nichts im Kreuz haben, zerreißen sich das Maul am meisten und demonstrieren damit auch noch ihre Schwäche. Dümmlich genug. Jetzt fehlt nur noch, dass Schröder in die Schweiz auswandert. Angesichts dieser dekadenten Diskussionen wünsche ich es ihm.

Ich verstehe die große Aufregung nicht und halte sie für typisch neidgetrieben. Die Germanen sollten sich diesen unseligen neid und die Mißgunst wieder abgewöhnen.
Ob Schröder es als passend für sich entscheidet, AR-Vorsitzender einer Tochter der Gasprom zu werden, mag er mit sich selber ausmachen. Das geht sonst keinen an und zeugt auch von dem Stil des Altkanzlers, der sonst nichts gescheites angeboten bekommt.
Korruption oder Fehlverhalten kann ich nicht erkennen. Und einen bedarf an "Public Governance" schon gar nicht. Hier geht Frau Merkel den "Stöhnern und Klägern" zu sehr auf den Leim.
Lassen Sie Herrn Schröder, staunen sie darüber, wie man den Mann nach seinem Amt einschätzt und widmen Sie sich interessanten Themen.

Finde ich gut, dass Schröder mit 61 arbeiten und nicht seiner Doris nicht zur Last fallen will. Ich glaube, der Mann weiß bis heute nicht, was in Deutschland los ist...

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Chuzpe Politiker die Vorteile ihres vom Wähler vergeben Jobs zu ihrem Vorteil nutzen. Da mögen jetzt alle, die Herrn Schröder auch bislang schon verteidigt haben, aufschreien. So etwas macht man einfach nicht. Ich bin sicher, dass ein Helmut Schmidt ein solches Angebot abgelehnt hätte. Beraterverträge sind meines Erachtens schon anrüchig.
Ich habe schon grundsätzliche Probleme mit der Tatsache, dass in Aufsichtsräten Leute sitzen, die vom Geschäft keine Ahnung haben. Was aber einen Berufspolitiker, der vor Äonen einmal Rechtsanwalt war befähigt, Aufsichtrat eines Pipelinebetreibers zu sein, eröffnet sich mir nicht. Wäre ich sarkastisch, würde ich sagen, Herr Schröder zündet seine Zigarren mit einem Gasfeuerzeug an. Das könnte reichen!
Aber vorsicht, der FSB (früher KGB) hört mit.
Günter Schulte