Nach „Katrina“

Töpfer fordert mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz

06. September 2005 Der Leiter des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, hat von Deutschland ehrgeizigere Ziele beim Klimaschutz verlangt und damit indirekt Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel kritisiert.

Mit Blick auf das Auslaufen der Vereinbarungen von Kyoto im Jahr 2012, sagte Töpfer am Dienstag am Rande einer Umweltkonferenz in Berlin: „Die Ziele sind nicht ehrgeizig genug. Wir müssen mehr machen. Auch zum Vorteil unserer Wirtschaft, auf mittlere und längere Sicht.“

„Wir müssen weiter gehen“

Das Kyoto-Protokoll sei wichtig, weil damit verbindliche Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen vereinbart worden seien. „Wir müssen aber weiter gehen“, verlangte Töpfer, der unter dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) deutscher Umweltminister war.

Frau Merkel, die seine Nachfolgerin im Amt war, hatte dagegen zuletzt beim Klimaschutz vor einer dauernden Vorreiterrolle Deutschlands gewarnt und auf den massiven Ausstoß von Treibhausgasen etwa in Schwellenländern verwiesen. „Politik im nationalen Schrebergarten“ sei nicht die richtige Antwort, hatte Frau Merkel gesagt. Die Union will im Fall eines Wahlsieges im September den Kurs in der Energie- und Umweltpolitik korrigieren.

„Das macht die Sache noch dringlicher“

Mit dem Kyoto-Abkommen haben sich die meisten Industriestaaten verpflichtet, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis 2012 um 21 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der größte Luftverschmutzer, die Vereinigten Staaten, hatte das Protokoll allerdings nicht ratifiziert. Amerika arbeitet unter anderem mit Australien an einem alternativen Programm.

Töpfer forderte zudem eine langfristige Abkehr von der Energiegewinnung aus Öl, Kohle und Gas. Der Klimawandel sei eindeutig auf die Belastung durch fossile Energieträger zurückzuführen. „Das macht die Sache noch dringlicher.“

Deutschland soll bei Kernenergie am Ball bleiben

Bei der Atomenergie verlangte Töpfer einen Beitrag Deutschlands zur sicheren Nutzung: “Kernkraft ist weltweit eine Realität. Wir müssen auch Forschungsbeiträge zur Sicherheit solcher Kernenergieanlagen liefern. Wir müssen mit dabei sein, wenn wir sichere Lösungen für die Abfälle suchen.“

Töpfer wollte sich aber nicht den Argumenten der Union anschließen, nach denen eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken in Deutschland auch mit Umweltgründen gerechtfertigt werden könne. „Ich glaube, wir sollten solche Überlegungen nicht voranbringen.“ Bei jedem Energieträger sollte statt dessen darauf geachtet werden, daß dessen Umweltbilanz durch moderne Technik verbessert werde.

Der Hurrikan „Katrina“ habe gezeigt, daß die Situation auf den weltweiten Energiemärkten sehr schnell eskalieren könne, sagte Töpfer der „Berliner Zeitung“. „Jetzt wird der dramatische Zwang zum Handeln für jeden sichtbar. Wir sollten nicht bis zu den nächsten Katastrophen warten.“



Text: FAZ.NET mit Berichten von Reuters
Bildmaterial: REUTERS

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