09. August 2005 Die CDU hat mit heftiger Kritik auf die Absage von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für ein TV-Streitgespräch der Spitzenkandidaten der großen Parteien reagiert. Hier wird deutlich, daß selbst in der SPD niemand mehr mit Schröder rechnet, sagte CDU-Generalsekretär Volker Kauder am Dienstag. Schröder sei ein virtueller Spitzenkandidat, der nur noch seine eigene Denkmalpflege betreibt.
Die SPD hatte zuvor bekanntgegeben, daß an der Runde im ZDF am 25. August von ihrer Seite der Parteivorsitzende Franz Müntefering teilnehmen wird. Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) hatte dagegen dem Sender eine Zusage gegeben.
Fischer, Stoiber und Westerwelle bestätigt
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bezeichnete das Nein Schröders, an der sogenannten Elefantenrunde teilzunehmen, als majestätisches Kneifen. Schröder weiche aus, sobald es im Fernsehen nicht mehr nur um Staatsschauspielerei, sondern um echte Sachpolitik geht und er vor allen anderen Parteien bestehen muß, sagte Niebel.
Die SPD hatte am Montag bekanntgegeben, daß an der ZDF-Runde von ihrer Seite der Parteivorsitzende Franz Müntefering teilnehmen wird. Merkel hatte dem Sender dagegen wie die Spitzenkandidaten von FDP und Grünen, Guido Westerwelle und Joseph Fischer, eine Zusage gegeben. Auch der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber wird nach Angaben des Senders teilnehmen.
Merkel selber schuld
SPD-Sprecher Lars Kühn hatte zur Begründung gesagt, der Kanzler habe seiner Herausforderin Merkel zwei Fernsehduelle angeboten. Bekannterweise habe sie aber nur einem zugestimmt. Dieses Duell soll am 4. September stattfinden und von ARD, ZDF, RTL und Pro7/Sat1 gleichzeitig übertragen werden. Die Bundestagswahl ist für den 18. September geplant.
Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Michael Glos, sagte, er hätte es für richtig gehalten, wenn es zu gar keinem direkten Duell zwischen Schröder und Merkel gekommen wäre. Schließlich gelte in Deutschland nicht das Mehrheitswahlrecht, sondern das Verhältniswahlrecht, das kleinere Parteien begünstige. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe daher Zweiergespräche immer abgelehnt. Merkel werde es Schröder aber nicht so leicht machen.
Typische Sommerlochdiskussion
Den Streit über die Fernsehauftritte bezeichnete Glos als typische Sommerlochdiskussion. Nachdem von der Union die Absage eines zweiten Fernsehduells mit mangelnder Zeit der Kandidatin begründet worden war, hatte Merkel zuletzt darauf verwiesen, daß sie in diesem kurzen Wahlkampf möglichst viele Fernseh-Formate bestreiten wolle - darunter auch eine Diskussion der Spitzenkandidaten.
(Siehe auch: Welche Wirkung haben TV-Duelle?)
Text: FAZ.NET mit Material von ddp/dpa
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb