In Bagdad ist es trotz einer Ausgangssperre am Freitag wieder zu einzelnen Zusammenstößen rivalisierender muslimischer Gruppen gekommen. Nach Polizeiangaben waren die Sicherheitskräfte nicht in der Lage, die Auseinandersetzungen zu unterbinden.
Diese entsponnen sich zwischen Milizen, die dem radikalen Schiitenführer Muqtada al Sadr nahestehen, und möglicherweise sunnitischen Aufständischen. Ob es bei den Kämpfen im Süden der irakischen Hauptstadt Tote oder Verletzte gab, ist derzeit noch unklar.
Die nach dem Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra erweiterte Ausgangssperre in Bagdad wurde laut Polizei trotz vereinzelter Zusammenstöße in den meisten Vierteln eingehalten. Es seien aber 20 Tote in die Leichenschauhäuser der Stadt gebracht worden. Die Menschen seien in der Nacht und am Morgen getötet worden.
Zudem setzten sich im schiitischen Armenviertel Sadr-City im Osten Bagdads, wo Sadr starke Unterstützung genießt, Tausende Schiiten über die Ausgangssperre hinweg und besuchten die Freitagsgebete in den Moscheen.
Der Anschlag in Samarra hatte landesweit zu schweren Kämpfen zwischen Schiiten und Sunniten geführt. Dabei kamen allein in Bagdad weit über hundert Menschen ums Leben.
Am Freitag waren die größeren Straßen der Hauptstadt nahezu menschenleer. Einkäufe in der eigenen Nachbarschaft sind nach dem Verständnis der Bürger von der bis 16.00 Uhr (Ortszeit) geltenden Ausgangssperre allerdings nicht betroffen. Mit der außergewöhnlichen Maßnahme, die für Bagdad und die Provinzen Dijala, Babil und Salaheddin verhängt wurde, sollen die Gläubigen zwei Tage nach der Zerstörung der Goldenen Moschee daran gehindert werden, an den Freitagsgebeten teilzunehmen, wodurch die Regierung weitere Gewalt zu verhindern hofft.
In Latifija stürmten Bewaffnete am frühen Freitag morgen das Haus einer schiitischen Familie. Sie erschossen den Vater, die Mutter und eine Tochter. Zwei Kinder erlitten Verletzungen, bestätigte die Polizei in der Kleinstadt 40 Kilometer südlich von Bagdad.
Das amerikanische Militär tötete am Freitag morgen bei einer Durchsuchung im Norden von Bagdad nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen örtlichen Anführer des Terrornetzes Al Qaida im Irak. Abu Asma alias Akram Mahmud al Muschhadani soll der Militärkommandant der Qaida von Nord-Bagdad gewesen sein. Als Bombenbauer trage er die direkte Verantwortung für zahlreiche Opfer unter amerikanischen Soldaten und irakischen Sicherheitskräften, hieß es.
Text: FAZ.NET mit dpa, Reuters
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS
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