Trauerfeier für Paul Spiegel

„Von vielen nicht nur geachtet, sondern geliebt“

Beisetzung in Düsseldorf

Beisetzung in Düsseldorf

04. Mai 2006 Mit sehr persönlichen Worten der Trauer haben Freunde und Weggefährten Abschied genommen vom verstorbenen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

Während der Trauerfeier stand der nach jüdischer Sitte sehr einfach gezimmerte Sarg zwischen Kerzen vor dem Tora-Schrein der Düsseldorfer Synagoge.

„Schwerer Verlust“

Zentralrats-Vizepräsident Salomon Korn sagte, Spiegel sei „von vielen Menschen nicht nur geachtet, sondern geliebt worden“. Nach den Geboten des Talmud habe er „jeden Menschen nur nach seiner günstigen Seite betrachtet“ und sich damit unter Juden wie Nichtjuden großes Vertrauen und Zuneigung erworben. Paul Spiegel war vor sechs Jahren zum Präsident des Zentralrats der Juden gewählt worden.

Der Vorstandssprecher der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Ezrah Cohn, unterstrich den schweren Verlust, den die jüdische Gemeinschaft in Deutschland erlitten habe. In der Versöhnung mit Nicht-Juden sei Spiegel so entschlossen gewesen wie im Kampf gegen Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Der Verstorbene hatte in der Düsseldorfer Gemeinde mehr als 40 Jahre Ämter inne gehabt.

Der Düsseldorfer Rabbiner Julian Chaim Soussan sagte mit Blick zur Witwe und den beiden Töchtern Spiegels, „all die Menschen, die heute hier sind, sind seine Familie und Freunde“.

Prominente aus Politik und Kultur

Unter den 800 Trauergästen in der Synagoge fanden sich neben der Familie und dem Freundeskreis auch Prominente aus Politik und Kultur. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Frau Doris Schröder-Köpf erwiesen dem Zentralratspräsidenten ebenso die letzte Ehre wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU) und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD).

Anwesend war auch Spiegels ehemaliger Stellvertreter Michel Friedman mit seiner Frau, der Moderatorin Bärbel Schäfer. Auch Künstler wie Vicky Leandros, Frank Elstner und Ralf Möller gaben dem Düsseldorfer das letzte Geleit.

Zentrale Gedenkveranstaltung am 28. Mai

Im Anschluß an die Gedenkstunde in der Synagoge soll Spiegel auf dem jüdischen Friedhof Düsseldorfs im engsten Kreis von Familie und Freunden beigesetzt werden. Eine zentrale Gedenkveranstaltung ist für den 28. Mai geplant. Hierzu werden hochrangige Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Kirche erwartet. Auch prominente Repräsentanten des Staates Israel planen nach Angaben des Zentralrates der Juden ihre Teilnahme.

Spiegel war am Sonntag nach schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben und hinterläßt seine Ehefrau und zwei Töchter.

„Mahner und Brückenbauer“

Er wurde 1937 in Warendorf (Münsterland) geboren und überlebte den Holocaust versteckt in Belgien. Die Familie kehrte nach dem Ende der NS-Diktatur nach Westfalen zurück. In den 50er Jahren kam Spiegel nach Düsseldorf, arbeitete zunächst als Journalist und gründete später eine Künstleragentur. Zugleich beteiligte er sich in führenden Positionen am Aufbau des jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen. Für sieben Jahre war Spiegel an der Seite von Bubis Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Nach dem Tod des Frankfurters wurde er im Januar 2000 zu dessen Nachfolger gewählt.

Von Politik, Kirchen und Gesellschaft wird Spiegel als Mahner gegen jede Form von Diskriminierung und als „Brückenbauer“ in die nicht- jüdische Öffentlichkeit gewürdigt.

Text: FAZ.NET mit dpa/AFP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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