21. Dezember 2005 Der künftige Präsident Boliviens, Evo Morales, hat den amerikanischen Präsidenten George W. Bush als Terroristen bezeichnet. Dem arabischen Fernsehsender Al Dschazira sagte Morales am Dienstag: Der einzige Terrorist der Welt, den ich kenne, ist Bush. Seine Militärinterventionen wie die im Irak, das ist Staatsterrorismus.
Es gebe einen Unterschied, ob Menschen für eine Sache kämpften oder als Terroristen agierten, sagte Morales. Heute in Bolivien und Lateinamerika erheben die Menschen nicht mehr ihre Waffen gegen den Imperialismus, aber der Imperialismus erhebt seine Waffen gegen die Menschen, und zwar mit Militärinterventionen und Militärstützpunkten.
Morales hatte bereits am Wahlabend ankündigt, daß seine Regierung eng mit anderen Anti-Imperialisten zusammenarbeiten werde und bekräftigte seine Bewunderung für den kubanischen Staats- und Parteichef Fidel Castro und Venezuelas linksnationalistischen Präsidenten Hugo Chávez. Beide sind in Washington nicht gut gelitten.
Alptraum für die Amerikaner
Schon im Wahlkampf hatte sich Morales als Alptraum für die Vereinigte Staaten bezeichnet. Unmittelbar nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl in Bolivien kündigte der Sozialist erste Schritte zur Verstaatlichung der Erdöl- und Gasvorkommen des Landes an. Bolivien verfügt über Südamerikas zweitgrößte Gasvorkommen, 90 Prozent davon gehen in den Export.
Mit Morales steht erstmals in der Geschichte des Landes ein Indio vor der Übernahme der Präsidentschaft Boliviens. Das offizielle Endergebnis der Wahl wird erst in einigen Tagen feststehen.
Rice: Offen für Zusammenarbeit
Washington hatte in einer erste Reaktion die Wahlen in Bolivien begrüßt und Morales zum Sieg gratuliert. Die friedlich Wahlen seien ein Zeichen der demokratischen Gesinnung des bolivianischen Volkes, erklärte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums. Obwohl noch keine Endergebnisse vorlägen, beglückwünsche Washington Morales zu seinem offensichtlichen Sieg.
Außenministerin Condoleezza Rice sagte, die Beziehungen zwischen beiden Ländern hingen vom Verhalten der neuen Regierung unter Morales ab. Wenn die neue Regierung demokratisch regiere und für Zusammenarbeit offen sei, würden die Vereinigte Staaten Bolivien helfen.
Der Aymara-Indianer Morales forderte indes auch eine Abkehr von Washingtons Null-Drogen-Politik und den freien Koka-Anbau in Bolivien. Das Andenland ist weltweit der drittgrößte Produzent von Koka, einer Heilpflanze, deren getrocknete Blätter die Urbevölkerung seit Jahrhunderten als anregendes, Hunger und Durst linderndes Mittel kaut, die aber zugleich auch als Rohstoff für Kokain dient.
Text: FAZ.NET mit Reuters/AFP
Bildmaterial: AP
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