22. Oktober 2007 Auf Drängen der Vereinigten Staaten hat die türkische Regierung mitgeteilt, vorerst auf einen Einmarsch in den Nordirak zu verzichten, in den sich Kämpfer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zurückgezogen haben. Der Irak erhielt nach Fernsehberichten dafür die Zusage der PKK, von Montagabend an ihre Kampfhandlungen einzustellen. Das sagte der irakische Präsident Talabani dem türkischen Fernsehsender NTV. Vor einem Militäreinsatz werde man alle diplomatischen Mittel ausschöpfen, sagte der türkische Außenminister Babacan.
Nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan bat die amerikanische Außenministerin Rice den Nato-Partner um einige Tage Aufschub vor einer Reaktion auf die jüngsten Gefechte. Er erwarte von Vereinigten Staaten nun ein schnelles Vorgehen gegen die PKK, sagte Erdogan am Sonntagabend nach einem Krisentreffen der politischen und militärischen Führung. Dies wäre unserer strategischer Partnerschaft angemessen. (Siehe auch: Einmarsch in den Nordirak?: Gebt uns ein paar Tage“)
Die PKK teilte unterdessen mit, sie habe acht türkische Soldaten in ihre Gewalt gebracht. Der türkische Generalstab gestand ein, dass seit den jüngsten Gefechten mit den Separatisten im Grenzgebiet acht Soldaten vermisst werden.
Der türkische Präsident Gül, der am Montag mit Parteiführern konferierte, sagte, die Türkei respektiere zwar die territoriale Integrität des Iraks. Aber sie werde nicht davor zurückschrecken, jeden nötigen Preis zum Schutz ihrer Rechte, ihrer Gesetze, ihrer unteilbaren Einheit und ihrer Bürger zu zahlen.
In Erwartung eines Einmarschbefehls in den Nordirak hat die Armee an der Grenze rund 100 000 Soldaten sowie Panzer, Kampfflugzeuge und -hubschrauber zusammengezogen. Die türkische Lira und die Börse in Istanbul gaben am Montag angesichts der Sorgen um einen Militäreinsatz deutlich nach.
In Berlin appellierte ein Regierungssprecher am Montag sowohl an die Regierung in Ankara als auch an die irakischen Behörden, angesichts der sensiblen Situation gemeinsam für Stabilität in der Region zu sorgen. Die EU-Kommission verurteilte die Angriffe der PKK und warnte zugleich vor einem türkischen Einmarsch in den Nordirak. Die Türkei und der Irak müssten dieses Problem durch Kooperation und unter Beachtung des internationalen Völkerrechts lösen, sagte EU-Erweiterungskommissar Rehn.
Text: FAZ.NET mit Reuters/dpa/AP
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