30. Januar 2004 Mit Militäraktionen hat Israels Armee am frühen Freitag morgen auf den palästinensischen Selbstmordanschlag am Vortag in Jerusalem reagiert. Dabei wurden in den Autonomiegebieten mindestens drei Palästinenser erschossen un dzwölf fetsgenommen.
In der Nähe der jüdischen Siedlung Dugit im nördlichen Gazastreifen wurden nach Krankenhausangaben zwei palästinensische Jugendliche tödlich von Kugeln getroffen. Im Westjordanland erschossen Soldaten einen zur Fahndung ausgeschriebenen palästinensischen Extremisten. Der 45jährige Dschihad al Sweiti sei durch einen Schußwechsel bei dem Versuch der Festnahme in der Nähe von Hebron getötet worden, berichteten Augenzeugen und palästinensische Sicherheitsbeamte.
Gewalt und Gegengewalt
Eine Militärsprecherin sagte, die Palästinenser seien ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung des Terrors nicht nachgekommen. Palästinensische Augenzeugen sagten, unter anderem sei ein Haus durchsucht worden, das vermutlich dem Selbstmordattentäter gehört habe. Bei dem Anschlag auf einen Bus in Jerusalem waren zehn Israelis getötet worden. Zu der Tat hatten sich die Al-Aksa-Brigaden bekannt, die der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat nahe stehen. Der Täter wurde als ein palästinensischer Polizist identifiziert.
Der Einsatz am Freitag war der erste in Bethlehem, seit Israel die Stadt im Westjordanland im Juli als Teil eines internationalen Friedensplans an die palästinensischen Sicherheitskräfte übergeben hatte. Die Umsetzung des Plans ist durch die anhaltende Gewalt und Gegengewalt faktisch zum Erliegen gekommen.
Nach palästinensischen Angaben durchkämmten die Soldaten dort auf der Suche nach Extremisten Bethlehem und in umliegende Gemeinden Häuser. Vier Palästinenser seien festgenommen worden. Angaben über Zusammenstöße mit militanten Palästinensern lagen zunächst nicht vor. In Ramallah sprengten die Israelis sechs Häuser von Familien von radikalen Hamas-Anhängern.
Algerien blockiert im UN-Sicherheitsrat
Unterdessen hat Algerien im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Verurteilung des jüngsten palästinensischen Selbstmordanschlags verhindert. Nach Angaben von Diplomaten forderte das einzige arabische Land in dem höchsten UN-Gremium in den dreistündigen Beratungen am Donnerstag in New York, daß auch der Tod von acht Palästinensern bei einer israelischen Militäraktion am Mittwoch in Gaza in dem Dokument verurteilt werden müsse. Einige weitere Ratsmitglieder hätten in den dreistündigen Beratungen die algerische Position unterstützt. Israel bezeichnete dies als ungeheuerlich.
Der stellvertretende israelische UN-Botschafter Arje Mekel sagte auf einer Pressekonferenz, seine Regierung sei bestürzt darüber, daß der Rat keinen Weg gefunden hat, das Töten unschuldiger Menschen zu verurteilen. Der Versuch Algeriens, eine Parallele zwischen einem Gefecht israelischer Soldaten mit bewaffneten Palästinensern und einem Selbstmordanschlag in einem Bus zu ziehen, der zehn Zivilisten tötet, ist absolut ungeheuerlich, sagte er. Israel plane, seine Empörung in Briefen an den Ratspräsidenten und UN-Generalsekretär Kofi Annan auszudrücken. Israel sei ebenfalls darüber bestürzt, daß Annan in einer Erklärung zum Nahen Osten am Donnerstag den Anschlag nicht erwähnt habe. Annan hatte diejenigen verurteilt, die Gewalt und Terror ausübten und an Israelis und Palästinenser appelliert, wieder Friedensverhandlungen aufzunehmen.
Nach dem Gefangenenaustausch mit Israel hat der Chef der libanesischen Hizbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, die Entführung weiterer israelischer Soldaten angedroht. Bei der Heimkehr von 21 Libanesen aus Israel versprach Nasrallah in Beirut, keinen (arabischen) Gefangenen in Israel zurückzulassen. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die militanten Organisationen vor weiteren Entführungen gewarnt.
Text: AFP, dpa, Reuters, AP
Bildmaterial: AP
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