Wahlen

Chaos bei Auszählung in Kongo

03. August 2006 Nach dem weitgehend friedlich verlaufenen Wahltagsonntag zeichnet sich für die Präsidenten- und Parlamentswahlen in Kongo nun das lange befürchtete Chaos bei der Auszählung ab. Zwar zeigte sich die Wahlbeobachtermission der EU in einer ersten Stellungnahme zufrieden mit dem Wahlverlauf und dem Auszählen der Stimmen in den Wahlbüros. Gleichwohl türmen sich seit Mittwoch in zahlreichen der 62 sogenannten Kompilationszentren, in denen die Ergebnisse aus den mehr als 50.000 Wahlbüros erfaßt werden sollen, die Wahlurnen teilweise unter freiem Himmel.

Auch der Transport der Urnen in diese Zentren wird mehr und mehr zum Albtraum. Statt in geschlossenen Lastwagen werden die Urnen nicht selten mit privaten Pkw und sogar per Mofa angeliefert, was einer Manipulation unterwegs Tür und Tor öffnet. Ohnehin gilt die tabellarische Erfassung der Ergebnisse als Achillesferse dieser Wahlen. Da für die Parlamentswahl mit offenen Listen gearbeitet wurde und alleine in jedem der vier Wahlkreise Kinshasas die Resultate für durchschnittlich 880 Kandidaten ausgewertet werden müssen, drohen die Wahlen an ihrer eigenen Komplexität zu ersticken.

Mitarbeiter der Wahlkommission begehren auf

Gleichzeitig rumort es unter den Mitarbeiter der Wahlkommission, die seit Sonntag morgen im Einsatz sind, bislang aber die versprochenen 70 Dollar Entlohnung nicht erhalten haben. Ähnliche Versäumnisse hatten bei der Registrierung der Wähler im vergangenen Jahr zur mutwilligen Zerstörung von CD-Roms mit Wählerdaten durch die Mitarbeiter der Wahlkommission geführt.

Zwar versicherte ein Sprecher der Wahlkommission, die Helfer würden bis zum Wochenende ihr Geld erhalten. Dennoch wurden bereits Fälle bekannt, in denen die Mitarbeiter der Wahlkommission sowohl Wahlbüros als auch Urnen im Stich ließen.

Jeder verkündet ihm genehme Ergebnisse

Zudem mehren sich die Verstöße der Präsidentenkandidaten gegen das Verbot, mutmaßliche Teilergebnisse vorab zu verkünden. Insbesondere private Rundfunk- und Fernsehstationen, die entweder Präsident Joseph Kabila oder seinem Vize-Präsidenten und namhaftesten Herausforderer Jean-Pierre Bemba gehören, veröffentlichen seit Mittwoch immer neue „Hochrechnungen“, die jeweils den Sieg ihrer Besitzer voraussagen.

So ließ Bemba verkünden, er habe 70 Prozent der Stimmen in Kinshasa gewonnen und habe sogar landesweit die erforderliche absolute Mehrheit für einen Sieg bei den Präsidentenwahlen. Im Osten Kongos wiederum, in Bukavu, feierten die Menschen bereits den angeblichen Sieg Kabilas. Die westlichen Botschaften in Kinshasa als auch die UN-Mission in Kongo, Monuc, forderten beide Lager aus Angst vor Zusammenstößen zur Zurückhaltung auf.



Text: tos./F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa

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