Strafbefehl

Friedman legt alle Ämter nieder

Bittet um eine zweite Chance: Friedman

Bittet um eine zweite Chance: Friedman

08. Juli 2003 Der Fernsehmoderator und Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, gibt nach einem Strafbefehl wegen Drogenbesitzes alle öffentlichen Ämter auf. Der TV-Journalist hat den Strafbefehl wegen illegalen Kokainbesitzes zu 150 Tagessätzen in Höhe von insgesamt 17.400 Euro akzeptiert. Damit ist Friedman vorbestraft, da es sich um mehr als 90 Tagessätze handelt.

Auch seine Talkshow in der ARD wird Friedman in Zukunft nicht mehr moderieren. Der 47-Jährige wolle sich künftig weniger Aufgaben zumuten, teilte der Intendant des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, nach einem Gespräch mit Friedman mit. Über die Fortsetzung von Friedmans Show im Hessen-Fernsehen werde im Herbst entschieden. „Er hat heute selbst akzeptiert, daß seine strengen Maßstäbe auch an ihn selbst angelegt werden“, betonte der hr-Intendant.

Friedman sagte am Dienstag in Frankfurt, er habe einen Fehler begangen und müsse akzeptieren, daß er mit den selben Maßstäben gemessen werde, die er auch an andere anlege. Er habe viele Menschen enttäuscht, gestand er ein. Bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer entschuldigte er sich ausdrücklich. Er bitte um eine zweite Chance, sagte Friedman, der bei der Pressekonferenz keine weiteren Fragen zuließ: „Menschen machen Fehler, Menschen irren sich. Auch ich habe Fehler gemacht, auch ich habe mich geirrt.“

Staatsanwaltschaft: Kein "Deal" mit Friedman

Ausgangspunkt der Affäre waren Ermittlungen der Berliner Justiz gegen einen osteuropäischen Zuhälterring. Beim Abhören von Handys der Zuhälter und auf Grund der Aussagen von Prostituierten waren die Fahnder laut Medienberichten auf den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland aufmerksam geworden. Im Juni durchsuchten sie die Wohnung und die Kanzlei des auch als Rechtsanwalt tätigen Moderators in Frankfurt am Main und stellten dabei mehrere Tütchen mit Kokainresten sicher.

Die Staatsanwaltschaft in Berlin verteidigte ihr Vorgehen. Man habe nur die gesetzliche Aufgabe erfüllt, Verdachtsmomenten nachzugehen, sagte Justiz-Sprecher Björn Retzlaff am Dienstag. Es habe keinen „Deal“ zwischen Staatsanwaltschaft und Friedman gegeben, der Strafbefehl sei keine außergerichtliche Einigung. Die Ermittlungen seien auf zehn Fälle von illegalem Drogenbesitz beschränkt worden. „Da lag das Schwergewicht der Taten.“

"Natürlich vorbestraft"

Mit dem Strafbefehl, der auf Ergebnissen von Zeugenaussagen, Durchsuchungen von Büro und Wohnung sowie Analysen beruhe, gelte Friedman „natürlich als vorbestraft“. Das Verfahren sei rechtskräftig abgeschlossen, da Friedman den Strafbefehl akzeptiert habe. Zu Einzelheiten wie dem Ergebnis der Haaranalyse wollte sich Retzlaff aber nicht äußern.

Friedman selbst hatte sich mit Beginn der Kokain-Affäre völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und bis zu dieser Pressekonferenz am Dienstag in Frankfurt konsequent geschwiegen.

Spiegel: Verdient, daß man ihm verzeiht

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Spiegel, sagte der "Bild"-Zeitung: „Selbstverständlich hat Michel eine zweite Chance verdient." Friedman habe Fehler gemacht „und er hat diese Fehler unmißverständlich vor aller Welt eingestanden", sagte er weiter. „Und deshalb verdient er, daß man ihm verzeiht.“ Friedmans Rücktritt von allen Ämtern zeige, daß er sich der „Verantwortung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft bewusst ist, die ihm viel zu verdanken hat", sagte Spiegel.

Text: @tor, @mg
Bildmaterial: AP

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