18. Oktober 2007 Nach der Rechtfertigung der Entführung von Hanns Martin Schleyer durch den früheren RAF-Terroristen Rolf Clemens Wagner prüft die Berliner Staatsanwaltschaft, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleiten wird. Dies teilte eine Behördensprecherin am Donnerstag mit.
Wagner hatte in der Zeitung Junge Welt die Entführung des später ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Schleyer 1977 als richtig bezeichnet. Er hatte erklärt: Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig. Wie die Entscheidung, Hanns-Martin Schleyer zu entführen. Der wurde mit seiner SS-Geschichte als Wehrwirtschaftsführer in besetzten Gebieten und seiner aktuellen Funktion als Aussperrer und Präsident des Unternehmerverbands ja nicht zufällig ausgesucht. Es sei lediglich ein Fehler gewesen, dass aus dem Politikum Schleyer einfach zu wenig gemacht worden sei, wurde Wagner weiter zitiert.
Beckstein: Menschenverachtende Äußerungen
Die Äußerung löste 30 Jahre nach der Ermordung Schleyers über alle Parteigrenzen hinweg Empörung aus. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte, Wagner habe sich mit menschenverachtenden Äußerungen als gnadenunwürdig erwiesen. Er sprach sich gegen eine Begnadigung weiterer früherer RAF-Mitglieder aus. Er sagte der Bild-Zeitung, Wagners Äußerungen zeigten, dass auch 30 Jahre nach der beispiellosen Mord- und Terrorserie in Deutschland RAF-Terroristen ihrer Ideologie nicht abgeschworen haben. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rief dazu auf, die RAF-Opfer in Erinnerung zu behalten.
Im sogenannten Deutschen Herbst hatte die RAF am 5. September 1977 den Arbeitgeber- und BDI-Präsidenten Schleyer entführt und seine vier Begleiter erschossen. Mit der Entführung sollte die Freilassung von inhaftierten Terroristen erpresst werden. Am 13. Oktober entführten arabische Terroristen die Landshut. Nach der Befreiung des Flugzeugs wurde Schleyer am 18. Oktober erschossen.
Die zu lebenslanger Haft verurteilten Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begingen zur selben Zeit im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Wagner war unter anderem wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung Schleyers zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Im November 2003 wurde er nach insgesamt 24 Jahren in Haft vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau begnadigt.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa
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