17. November 2004 Der mutmaßliche Anführer der islamistischen Terrorgruppe, die mit dem Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh zu tun haben soll, lebt möglicherweise in Deutschland.
Der in Syrien geborene Redouan al Issar wurde längere Zeit vor dem Verbrechen nach Deutschland abgeschoben, sagte der niederländische Justizminister Piet Hein Donner. Zuvor habe der spirituelle Führer des sogenannten Hofstad Netzwerk sogar zeitweise in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders Mohammed Bouyeri, eines 26 Jahre alten Marokkaners, in Den Haag gelebt.
Bundesanwaltschaft: Keine Hinweise
Nach den Worten Donners vermuten die niederländischen Ermittler, daß Al Issar sich im Ausland aufhält. Sie wollten diese Woche einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erwirken.
Die Bundesanwaltschaft erklärte dagegen, man habe keine Hinweise darauf, daß sich Al Issar gegenwärtig in Deutschland aufhalte. Es gebe auch kein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Man gehe aber Hinweisen nach, daß der Mann vor dem Attentat in Deutschland gewesen sei.
Auch das Bundeskriminalamt bestätigte, daß die Hinweise überprüft würden. Beide Behörden betonten, man stehe in engem Kontakt zu den niederländischen Ermittlungsbehörden.
Wanderprediger und Drogenhändler
Nach einem Bericht des Magazins Stern wohnte Al Issar mit Unterbrechungen seit 1997 im Asylbewerberheim im sauerländischen Olsberg. Als Wanderprediger und Drogenhändler sei er zwischen Holland und Deutschland gependelt. Voriges Jahr stand er demnach zusammen mit vier weiteren Islamisten wegen angeblich geplanter Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Den Haag vor Gericht.
Nach seinem Freispruch wurde er dem Bericht zufolge nach Deutschland abgeschoben, landete wieder in Olsberg, beantragte abermals Asyl und verschwand im Mai dieses Jahres spurlos. Issar soll Mitglied der ägyptischen Terrororganisation Takfir Wal Hijra sein.
Das Hofstad Netzwerk in den Niederlanden wurde nach den Worten Donners seit 2002 beobachtet. Al Issar habe zudem Kontakt zu bestimmten Leuten gehabt, die in die Terrorangriffe in Casablanca verwickelt sein sollen. Dabei waren im Mai 2003 bei fünf zeitgleichen Anschlägen 33 Menschen ums Leben gekommen.
Text: AP
Bildmaterial: AP
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