Vatikan

Johannes Paul II. beigesetzt

Der Sarg des Papstes wird ins Grab gehoben

Der Sarg des Papstes wird ins Grab gehoben

08. April 2005 Nach einer bewegenden Totenmesse mit 300.000 Pilgern und 200 Staatsgästen auf dem Petersplatz wurde Johannes Paul II. am Freitag, den 8. April beerdigt. Dazu begleiteten wenige kirchliche Würdenträger den Papst-Sarg in einer Prozession in die Grotten unter dem Petersdom.

Die letzte Ruhestätte befindet sich an der Stelle, wo früher Papst Johannes XXIII. lag. Dieser war 2001 in einen gläsernen Sarg im Petersdom umgebettet worden. Johannes Paul wurde ein Schleier aus weißer Seide über das Gesicht gelegt. In seinem Sarg befinden sich außerdem ein Säckchen mit Bronze- und Silbermünzen aus der Zeit seines Pontifikats und eine Rolle mit seinen Lebensdaten in lateinischer Sprache.

Unweit des Grabs des Petrus

Zum Zeichen der Demut wolle er im Sarg beerdigt und nicht in einem Marmorsarkophag bestattet werden - so lautete der Letzte Wille des Papstes. Über der Grabstätte steht auf einer schlichten weißen Marmorplatte: „Johannes Paulus II 1920 - 2005“. Johannes Paul liegt unweit der Stelle, an der nach kirchlicher Überlieferung das Grab des Petrus ist, des ersten Papstes.

Die vatikanischen Grotten bestehen aus mehreren großen unterirdischen Räumen mit mehr als 160 Papstgräbern. In unmittelbarer Nähe der letzten Ruhestätte von Johannes Paul befinden sich elf weitere Papstgräber, die nächsten sind die von Pius VI. (1775-1799) und Innozenz IX. (1591). Innozenz hatte bereits als kranker Mann sein Amt angetreten und war nur zwei Monate später gestorben.

Vier Millionen Trauergäste

Am Vormittag hatte Rom die größte christliche Versammlung seiner Geschichte erlebt: Auf dem Petersplatz, der Piazza di Populo und zahlreichen weiteren Plätzen verfolgten schätzungsweise vier Millionen Menschen das Requiem für Papst Johannes Paul II. Das Pontifikalamt wurde von Joseph Kardinal Ratzinger zelebriert, der den unermüdlichen Einsatz des Verstorbenen für die Verbreitung des Glaubens würdigte.

An der Gedenkmesse nahmen Staatsgäste aus mehr als 80 Ländern teil, unter ihnen auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder. Die Exequien, wie das Bestattungsritual der katholischen Kirche genannt wird, begannen am Freitag morgen mit einer bewegenden Zeremonie im Petersdom: Der päpstliche Privatsekretär Stanislaw Dziwisz bedeckte das Gesicht des Toten mit einem weißen Seidentuch und schloß den Sarg.

Lesungen aus dem Evangelium

Als der schlichte Holzsarg, verziert nur mit einem Kreuz und dem Buchstaben M für Maria, ins Freie getragen wurde, kam Beifall auf. Prälaten legten das Evangelium auf den Sarg, während ein Chor den Eingangshymnus sang. Dem Sarg folgten die in Purpurrot gekleideten Kardinäle, die ab 18. April auch den Nachfolger des Papstes zu wählen haben.

Als Dekan des Kardinalskollegiums trug Kardinal Ratzinger das Sündenbekenntnis vor, dem das Kyrie des Chors folgte. Mit diesem Teil der Liturgie wird Gott um Erbarmen gebeten. Im Anschluß an Lesungen aus dem Evangelium begrüßte Ratzinger auch die Vertreter der anderen Religionen.

Emotionale Predigt auf italienisch

Der Kardinal erinnerte in seiner Predigt auf italienisch an den Lebensweg des Verstorbenen vom Fabrikarbeiter während der deutschen Besatzungszeit in Polen bis zum Oberhaupt der weltweit eine Milliarde Katholiken. Johannes Paul sei schon in jungen Jahren allen Widrigkeiten zum Trotz unermüdlich losgezogen, um seine Mitmenschen zum Glauben zu führen. Er habe sich bis zuletzt dem Dienst für die Kirche gewidmet und sei so mit Christus eins geworden, sagte Ratzinger.

Mit Fürbitten in verschiedenen Sprachen, darunter auch Deutsch, wurde Gott angerufen, die Seele des Papstes aufzunehmen. In der Menge wurde der Papst in Sprechchören immer wieder als „Santo“ gefeiert, als Heiliger. Auch auf Transparenten war die Forderung nach einer Heiligsprechung von Johannes Paul zu lesen: „Santo Subito“. Das Kirchenrecht macht dies aber davon abhängig, daß zuerst eine Seligsprechung erfolgt. Dieser Vorgang kann frühestens zwei Jahre nach dem Tod eingeleitet werden, doch hat Johannes Paul im Fall von Mutter Theresa dieses Verfahren selbst vorgezogen.

Ehrengäste aus aller Welt

Unter dem Läuten der Glocken hatten Staats- und Ministerpräsidenten, Könige und Außenminister am Morgen ihre Ehrenplätze eingenommen. Als einer der letzten kam der amerikanische Präsident George W. Bush. Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac, der britische Premierminister Tony Blair, der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski, der iranische Präsident Mohammed Chatami, der spanische König Juan Carlos und UN-Generalsekretär Kofi Annan waren anwesend. Auch hohe Würdenträger der anderen christlichen Konfessionen, des Islams und des Judentums nahmen auf dem Petersplatz ihre Plätze ein.

Für den Schutz der Staatsgäste hatten die italienischen Behörden umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Seit Mitternacht durfte kein Fahrzeug mehr ins Stadtzentrum fahren. Der Luftraum wurde gesperrt, vor der Stadt standen Luftabwehrraketen in Bereitschaft. Auf Bitten der Regierung stellte die Nato sogar ein AWACS-Aufklärungsflugzeug zur Überwachung des Luftraums bereit. Schiffe der italienischen Marine patrouillierten an der Mittelmeerküste und auf dem Tiber.

Wadovice: 15.000 Gläubige vor der Marienbasilika

Zur selben Zeit wie in Rom versammelten sich auch in zahlreichen weiteren Städten Zehntausende von Gläubigen im Gedenken an den verstorbenen Papst. In Krakau kamen 300.000 Menschen auf einem freien Feld zusammen, um die Fernsehübertragung der Trauerfeier in Rom zu verfolgen.

In Wadowice, der Heimatstadt von Karol Wojtyla, dem späteren Johannes Paul II., drängten sich 15.000 Menschen vor der Marienbasilika. Rund 7.000 Menschen nahmen an einer Messe in der Pariser Kathedrale Notre Dame teil. In Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, nahmen mehrere tausend Gläubige an einer Messe teil - genau an dem Ort, wo Johannes Paul 2003 einen Gottesdienst gefeiert hatte.

Text: FAZ.NET mit Material der Nachrichtenagenturen
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, REUTERS

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