12. Januar 2004 Der amerikanische Präsident George W. Bush hat nach Angaben eines entlassenen Ministers mit den Planungen für den Irak-Krieg schon direkt nach Amtsantritt begonnen, nicht erst nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Das sagte Paul O'Neill, der vor einem Jahr entlassene Finanzminister, nach Angaben des Fernsehsenders CBS in einem Interview, das am Sonntag ausgestrahlt werden soll. Der Sender veröffentlichte die Zitate am Samstag.
Es gab von Anfang an die Überzeugung, daß Saddam Hussein ein schlimmer Finger ist und weg muß, sagte O'Neill nach Angaben des Senders. Für mich war das Konzept eines Präventivschlags, daß die Vereinigten Staaten das unilaterale Recht haben, zu tun was sie für nötig halten, ein Riesensprung. Nach Angaben von Buchautor Ron Suskind zirkulierten in der Regierung schon in den ersten drei Monaten 2001 Pläne für eine Invasion des Irak, für eine Nachkriegsära und Vorstellungen über die Zukunft des irakischen Öls. Er habe entsprechende Unterlagen von O'Neill und anderen Insidern aus dem Weißen Haus erhalten, sagte Suskind dem Sender. Suskind veröffentlich nächste Woche ein Buch über die ersten beiden Bush-Jahre. Suskind hat nach eigenen Angaben einen Bericht aus dem Pentagon mit dem Titel: Ausländische Bewerber um irakische Ölverträge.
Wie ein Blinder in einem Raum voller Tauber
In dem Buch charakterisiert O'Neill Bush zudem als Präsidenten mit wenig Interesse am Geschehen. Bush habe Kabinettssitzungen wie ein Blinder in einem Raum voller Tauber geleitet, zitiert Suskind den früheren Minister. Bush habe sich in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit selten um inhaltliche Diskussionen gekümmert, behauptet O'Neill nach Angaben von CBS. Bush habe so unklar Positionen bezogen, daß das Weiße Haus bei der Formulierung von politischen Vorstößen wenig mehr als eine Ahnung davon hatte, wofür der Präsident stehe.
Der Finanzminister, zuvor jahrelang Chef des Aluminiumkonzerns Alcoa, bereitete der Regierung mit unverblümten Kommentaren mehrfach Kopfschmerzen. Eine Bemerkung über den Dollarkurs brachte die Währungsmärkte in Aufruhr. Das amerikanische Außenministerium mußte Wogen glätten, nachdem O'Neill Brasilien mit der Bemerkung aufbrachte, man müsse aufpassen, daß Finanzhilfen nicht auf Bankkonten in der Schweiz landeten. Die amerikanischen Schutzzölle auf Stahlprodukte kritisierte O'Neill ebenfalls. Bush entließ den Minister, der kein Hehl aus seiner Empörung darüber machte, im Dezember 2002.
Text: dpa
Bildmaterial: AP
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