Irak

Bush: Saddam will uns Ärger machen

Bush: “Wir werden ihn kriegen“

Bush: "Wir werden ihn kriegen"

05. November 2003 In bislang eindeutigster Form hat der amerikanische Präsident George W. Bush eingestanden, daß der vertriebene irakische Diktator Saddam Hussein noch am Leben sei. Saddam Hussein versuche, den amerikanischen Besatzungstruppen in Irak Ärger zu machen. „Wir werden ihn kriegen, wir werden ihn finden“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Kalifornien.

Die Bush-Regierung hatte sich lange geweigert, zu erklären, ob Saddam Hussein tot ist oder lebt. Diese Haltung änderte sich jedoch in jüngster Zeit. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte vergangene Woche, Anschläge gegen amerikanische Soldaten seien praktisch unvermeidlich, so lange Saddam Hussein noch nicht gefaßt sei. Andere Regierungsbeamte bezweifeln jedoch, daß der entmachtete und untergetauchte Präsident in der Lage ist, Angriffe gegen die Besatzungsstreitkräfte zu koordinieren.

Abermals Granatenangriffe

Amerikanische Militärstreife nach den jüngsten Anschlägen

Amerikanische Militärstreife nach den jüngsten Anschlägen

Am frühen Mittwoch morgen wurde ein Lager der amerikanischen Truppen in der nordirakischen Stadt Mossul mit Granaten angegriffen. Es habe keine Opfer gegen, teilte die Militärführung mit. Am Abend zuvor war abermals das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Bagdad mit Mörsergranaten angegriffen worden. Dabei wurden nach Angaben des Pentagons drei Menschen verletzt. Es blieb aber zunächst unklar, ob es sich dabei um Soldaten oder Zivilisten handelte.

Es handelt sich bereits um die zweite Attacke innerhalb von 24 Stunden. Am Montag abend waren drei Mörsergranaten im Verwaltungsareal eingeschlagen, ohne Schaden anzurichten. Wegen der Welle von Anschlägen hat Spanien inzwischen einen Teil seiner Diplomaten aus Bagdad abgezogen.

Wieder ein amerikanischer Soldat getötet

Die amerikanische Zivilverwaltung in Bagdad teilte mit, es sei kein Gebäude der Verwaltung getroffen und kein Verwaltungspersonal verletzt worden. Betroffen ist die so genannte „grüne Zone“, die sich in Bagdad am Westufer des Tigris erstreckt. Sie umfaßt den ehemaligen Präsidentenpalast von Saddam Hussein, in dem heute der amerikanische Chefverwalter Paul Bremer residiert, ein großes Konferenzzentrum, in dem unter anderen die amerikanische Pressestelle untergebracht ist, ein Militärhospital und das Hotel „Raschid“.

Am Dienstag töteten Unbekannte in Bagdad nach Angaben des amerikanischen Militärkommandos einen Soldaten, indem sie einen Sprengsatz neben seinem Fahrzeug zündeten. Zwei weitere Soldaten wurden bei der Explosion verwundet. Am Montag waren in der Nähe von Tikrit ein amerikanischer Soldat getötet und ein weiterer verletzt worden, als ihr Fahrzeug bei einer Patrouille auf eine Landmine fuhr. Am Freitag war im Irak ein 31 Jahre alter britischer Soldat bei einem Militäreinsatz getötet worden, wie das Verteidigungsministerium in London am Dienstag ohne nähere Details bekanntgab.

Inzwischen werden im Irak neben Besatzungssoldaten und Polizisten zunehmend auch Richter zur Zielscheibe. In der nordirakischen Stadt Mosul töteten Unbekannte am Dienstag den stellvertretenden Gerichtspräsidenten. Wie der arabische Fernsehsender El Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, erschossen die Attentäter den Juristen, als er am Morgen sein Haus verließ. Innerhalb von drei Tagen starben mindestens sechs bekannte Juristen und Politiker durch Attentate. Bislang ist unklar, ob diese Attentate auf das Konto von Anhängern des alten Regimes gehen oder möglicherweise Rivalen dafür verantwortlich sind.

Spanische Diplomaten abgezogen

Spanien zog einen Teil seiner Diplomaten aus Bagdad ab. Die Verlegung des Personals nach Jordanien sei eine „vorübergehende Maßnahme“, sagte Außenministerin Ana Palacio. Vier Angehörige der spanischen Botschaft seien im Irak geblieben, sagte Palacio nach Rundfunkberichten am Rande des deutsch-spanischen Gipfeltreffens in Berlin. Die übrigen Diplomaten seien zu „Konsultationen“ zurückgerufen worden, sagte Ministerpräsident José María Aznar, dessen Regierung die Vereinigten Staaten beim Krieg gegen den Irak von Anfang an unterstützt hatte. Derzeit sind rund 1300 spanische Soldaten im Irak.

Wegen Versagens des UN-Sicherheitsapparates vor dem Bombenanschlag auf das UN-Gebäude in Bagdad am 19. August mit 22 Toten sind am Dienstag zwei leitende UN-Beamte ihrer Posten enthoben worden. Der Sicherheitskoordinator der Weltorganisation, Tun Myat, und der amtierende Leiter der UN-Operationen im Irak, Ramiro Lopes da Silva, wurden in New York von UN-Generalsekretär Kofi Annan bis zum Abschluß einer Untersuchung etwa Mitte Januar beurlaubt.

Der amerikanische Kongreß bewilligte unterdessen nach zähem Ringen weitere 51 Milliarden Dollar für den militärischen Einsatz im Irak und 18,6 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes. Das Gesamtpaket umfaßt 87,5 Milliarden Dollar. Ein Teil dieses Geldes soll für den anhaltenden amerikanischen Einsatz in Afghanistan und Anti-Terror-Operationen im Ausland ausgegeben werden.

Text: dpa
Bildmaterial: AP

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