21. August 2006 Die Kongolesen werden ihren künftigen Präsidenten am 29. Oktober in einer Stichwahl bestimmen. Mit einem Stimmenanteil von 44,81 Prozent verfehlte der amtierende Staatschef Joseph Kabila in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl vor drei Wochen die absolute Mehrheit, wie die Wahlkommission am Sonntag abend in der Hauptstadt Kinshasa verkündete. Gegen ihn tritt sein bisheriger Stellvertreter und schärfster Konkurrent, Jean-Pierre Bemba, an, der mit 20,03 Prozent auf dem zweiten Platz landete.
Die Bekanntgabe der Ergebnisse wurde von Schußwechseln in Kinshasa überschattet, bei denen mindestens drei Menschen getötet und etwa zehn verletzt wurden. Bei einer Schießerei zwischen Anhängern Bembas und Kabilas kamen ein Mitglied der Leibwache des Vizepräsidenten und ein Angehöriger der Präsidentengarde ums Leben, wie es aus westlichen Armeekreisen sowie von Seiten der UN-Vertreter in Kongo.
Nach Angaben des Militärs ereignete sich der Zwischenfall in der Nähe des Parteisitzes Bembas und von ihm gehörenden Fernsehsendern. Vor einem Polizeiquartier im Zentrum der Hauptstadt wurde nach Angaben der kongolesischen Polizei ein Japaner erschossen. Fünf weitere seien verletzt worden.Insgesamt ein Dutzend Menschen wurden laut einer vorläufigen Bilanz der Polizei bei den Schußwechseln verletzt. Am Montag morgen waren noch sporadisch Schüsse zu hören.
Kabila siegessicher
In einer Fernsehansprache zeigte sich Kabila überzeugt, aus der zweiten Runde siegreich hervorzugehen. Er sei sicher, daß ihm die Wähler das Mandat für eine weitere Amtszeit erteilen würden, sagte der Präsident. Er dankte seinen Anhängern, die ihm in der ersten Runde zum Sieg verholfen hatten. Danach wandte er sich auch an seine Kritiker: Ich verstehe eure Unruhe, eure Unsicherheit und eure Kritik, versicherte er. Er werde daraus lernen, um die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.
Kabila hatte nach der Ermordung seines Vaters, Präsident Laurent-Désiré Kabila, im Jahr 2001 das höchste Staatsamt angetreten. Sein Sieg in der ersten Runde war erwartet worden, in der zweiten Runde könnten sich allerdings seine Gegner hinter seinem Rivalen Bemba vereinen. Dieser hatte jahrelang im Osten Kongos als Chef der von Uganda unterstützten Bewegung zur Befreiung des Kongo (MLC) gegen Kabilas Truppen gekämpft, bis er nach Beendigung des Bürgerkriegs als Vizepräsident in die Übergangsregierung eingebunden wurde.
Mobutu-Sohn abgeschlagen
Laut den von der Wahlkommission veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen schaffte es der Politik-Veteran Antoine Gizenga mit 13,06 Prozent auf den dritten Platz. Der Sohn des früheren Diktators, Nzanga Mobutu, und der unabhängige Kandidat Oscar Kashala landeten abgeschlagen an vierter und fünfter Stelle. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 70,54 Prozent. Das Resultat muß nun vom kongolesischen Verfassungsgericht bestätigt werden, das bis Ende August dann das offizielle Endergebnis veröffentlicht.
Die 33 Präsidentschaftskandidaten können in den nächsten drei Tagen Einwände geltend machen. Viele Kandidaten hatten sich bereits kurz nach der Wahl über Unregelmäßigkeiten beschwert. Die ersten freien Wahlen seit 46 Jahren am 31. Juli waren weitgehend ruhig abgelaufen. Die Spannung ist den vergangenen Tagen allerdings spürbar gestiegen.
Text: AFP
Bildmaterial: AFP, AP
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von Daniel Deckers, 30.09.2008 16:20