Protest gegen Irak-Krieg

Druck auf Washington

28. Januar 2007 Mit Unterstützung von Hollywood-Stars und prominenten Bürgerrechtlern haben zehntausende Menschen am Samstag in Washington gegen den Irak-Krieg und die Politik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush demonstriert. Die aus dem ganzen Land angereisten Demonstranten versammelten sich zu einer Kundgebung am Fuße des Kapitols und forderten in ihren Parolen den amerikanischen Kongress auf, für ein Ende des Krieges zu stimmen. „Schickt die Truppen nach Hause zurück - jetzt!“, hieß es auf vielen Plakaten.

Erstmals seit 34 Jahren beteiligte sich die für ihr Engagement gegen den Vietnam-Krieg bekannte Schauspielerin Jane Fonda an einer derartigen Kundgebung. Fonda rief den Demonstranten zu, im Unterschied zum Vietnam-Krieg hätten viele Soldaten diesmal bereits nach drei Jahren gemerkt, dass sie sich gegen den Krieg engagieren müssten. Sie habe sich seit 34 Jahren nicht an einer Anti-Kriegs-Kundgebung beteiligt, sagte die 69-Jährige. Sie habe Angst gehabt, das die über sie verbreiteten „Lügen“ der Friedensbewegung schaden könnten. „Aber Schweigen ist keine Option mehr“, rief sie der jubelnden Menge zu. Fonda hatte während des Vietnam-Kriegs ihre Sympathie mit dem feindlichen Nordvietnam demonstriert und wurde „Hanoi-Jane“ genannt, nachdem sie sich im Juli 1972 auf eine nordvietnamesische Luftabwehrrakete gesetzt hatte. Die Provokation schadete ihrer Karriere als Schauspielerin.

Prominenz auf der Straße

Die Teilnehmer der Kundgebung forderten die Verabschiedung einer verbindlichen Resolution im Kongress, mit der die Gelder für den Irak-Krieg gestoppt werden sollen. Bislang hat der Senat lediglich für Anfang Februar die Abstimmung über eine nicht-bindende Resolution geplant. In der bereits in einem Senatsausschuss verabschiedeten Entschließung heißt es, Bushs Plan einer Truppenaufstockung um 21.500 Soldaten sei „nicht im nationalen Interesse“; die Verantwortung für die Sicherheit im Irak müsse in angemessener Zeit an die dortige Regierung übertragen werden. Zwar haben mehrere Kongressabgeordnete Gesetzesvorschläge eingebracht, in der etwa die maximale Truppenstärke im Irak festgelegt wird. Doch es gilt als unwahrscheinlich, dass die Entwürfe verabschiedet werden.

Unter den prominenten Demonstranten waren auch die für ihr politisches Engagement bekannten Hollywood-Stars Sean Penn, Susan Sarandon und Tim Robbbins. „Während wir uns hier versammeln, sterben unsere amerikanischen Mitbürger“, rief Penn der Menge zu. „Wir werden weiter machen, bis die verbindliche Resolution verabschiedet ist, das Geld gestoppt wird und die Soldaten nach Hause kommen.“

Stoßrichtung Kongress

Zu den mehr als ein Dutzend Rednern zählten auch Kriegsveteranen, Friedensaktivisten, religiöse Führer sowie Bürgerrechtler wie der Afroamerikaner Jesse Jackson. Hunderte von Bussen aus dem ganzen Land hatten die Demonstranten in die amerikanische Hauptstadt gefahren. Die Friedensaktivisten folgten einem Aufruf des Verbandes Vereint für Gerechtigkeit und Frieden gefolgt.

Anders als bei bisherigen Demonstrationen gegen den Irak-Krieg richteten sich die Slogans nicht so sehr gegen den Präsidenten, sondern an den Kongress, in dem neuerdings die Demokraten die Mehrheit haben. Den Präsidenten kümmere es nicht, was die Bürger der Vereinigten Staaten dächten, sagte der Sprecher der Organisatoren, Hany Khalil. Hingegen habe der Kongress die Macht, den Irak-Krieg zu beenden. Nach einer am Samstag im Magazin „Newsweek“ veröffentlichten Umfrage sind 64 Prozent der Bürger der Meinung, der Kongress fordere Bushs Irak-Politik nicht aggressiv genug heraus.

Bush demonstiert Gelassenheit

Das Weiße Haus reagierte betont gelassen auf die Proteste. „Der Präsident denkt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung eine der großartigsten Freiheiten in unserem Land ist“, sagte der Sprecher Gordon Johndroe. Bush verstehe, dass die Menschen ein Ende des Irak-Kriegs wünschten. Die neue Strategie solle genau diesem Ziel dienen.



Text: AFP
Bildmaterial: AP, AP , dpa, REUTERS

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